16.03.2015

Textiler kleidet Textiler ein

Mit schicken Jackets aus Nagold besteigen Unternehmer Flieger nach Dhaka / Fuchtel lässt Gäste über Digel-Qualität staunen

Textiler kleidet Textiler einDigel-Mode wird jetzt auch in Bangladesh getragen (von links): Miran Ali und Mohammed A. Jabbar mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Textilunternehmer Hans Digel bei der Anprobe in Nagold.

Nagold. Eigentlich ist es eher umgekehrt. Denn im Regelfall kaufen deutsche Textilunternehmer ihre Waren in Asien ein. Doch als Mohammed A. Jabbar und Miran Ali aus Bangladesh die Digel-Qualität mit ihren Fingern ertasteten, da wurde aus dem Fachgespräch zwischen Textiler und Textiler spontan eine Anprobe. Schließlich stiegen die beiden Großunternehmer mit Original-Jackets aus Nagold in ihren Flieger nach Dhaka.

Dabei kauft das Familienunternehmen nicht mal in Bangladesh ein, verriet Hans Digel den Teilnehmern einer Wirtschaftsdelegation, sondern lässt jährlich eine Million Teile für den Herrn vornehmlich in Polen, Rumänien und der Türkei fertigen. „Ich war auch noch nie in Bangladesh“, gesteht der weitgereiste Geschäftsmann, „aber Ihr Besuch gibt mir sicher die Möglichkeit, das bald schon nachzuholen.“

Jabbar und Ali hatten neben der Parlamentsabgeordneten Shirin Akhter und weiteren Unternehmern in Berlin an einer gemeinsamen Konferenz des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) teilgenommen. Mohammed A. Jabbar ist der verantwortliche Direktor der DBL Group, die 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt. Miran Ali ist der Chef der Bitopi Group, die 10.000 Beschäftigte hat. In der deutschen Bundeshauptstadt diskutierten sie mit Kollegen über internationale Wirtschafts- und Sozialfragen.

Gerne folgten sie anschließend der Einladung des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel nach Baden-Württemberg, wo sie unter anderem das Burladinger Traditionsunternehmen Trigema besichtigten. Dem Bundestagsabgeordneten waren die Unternehmer aus Bangladesh im Rahmen seiner politischen Verantwortung im BMZ für den asiatischen Kontinent in Dhaka begegnet.

Natürlich durfte auf ihrem Besuchsprogramm im Land der Tüftler und Denker „Europas größter Baukastenanbieter für Herrenbekleidung“ nicht fehlen, sagte sich Fuchtel. Vor allem das Digel-Logistikzentrum mit einer Kapazität von 300.000 Teilen hinterließ denn auch bei den Gästen nachhaltigen Eindruck.

„Wir sind der Prototyp eines mittelständischen Bekleidungsunternehmens“, sagte Hans Digel, der den Betrieb des Firmengründers Gustav Digel kontinuierlich ausgebaut hat. Mit Sohn Jochen stehe bereits die dritte Generation in der Verantwortung. Mit neuen Stoffen und jungen Linien erschließt sich die Nagolder Marke weitere Märkte, die bei einer Exportquote von 60 Prozent auch in einigen europäischen Ländern sowie in Russland angesiedelt ist.  

Was die gestandenen Textilunternehmer Hans und Jochen Digel selber erstaunt: Der italienische Markt entwickelt sich erstaunlich gut, obwohl einige bedeutende Modemarken hier ihren Ursprung haben. Service sei freilich das allumfassende Thema in der Chefetage, sagt Hans Digel. Denn „nur wer den besten Service liefert, hat Zukunftschancen.“ Nicht der Besitz von Nähmaschinen mache heute einen textilen Global Player aus, sondern seine Marktanteile. 

Anzugproduktionen gibt es in Bangladesh nur in sehr geringem Umfang, erfuhr Jochen Digel von den Gästen. Doch wäre die Distanz für die Digel-Produktion eh zu groß. „Als passiver Lohnveredler liefern wir alle Materialien bis zum Knopf für die Verarbeitung. Sowas können wir nur in Europa machen“, sagte Digel. 

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