22.05.2015

Fast wie beim Zahnarzt

Die Sprechstunden von Hans-Joachim Fuchtel haben es in sich / Bürger kommen mit Sorgen, Nöten und guten Ideen

Fast wie beim Zahnarzt Der Calwer Unternehmer Dr. Ralf Schnaufer (rechts) diskutiert mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel über die Infrastruktur seiner Heimatstadt bei der Bürgersprechstunde im Alten Vermessungsamt.

Calw. Extra vom anderen Ende des Wahlkreises ist die Ärztin an diesem Nachmittag nach Calw gereist. Das Problem, das ihr auf den Nägeln brennt, ist akut. Denn sie sucht dringend eine weitere Fachkraft für ihre Praxis. Ärztenotstand auf dem Land: Da vertraut sie auf die Hilfestellung des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel, der zur Bürgersprechstunde eingeladen hat.

 Die Themenvielfalt ist groß, die dem Bundestagsabgeordneten im Viertelstundentakt vorgetragen wird. So viel Zeit nimmt er sich für jeden. Mehr ist nicht drin, sonst kommen andere nicht zum Zuge. Fast wie beim Zahnarzt geht es im Alten Vermessungsamt zu. Die Bürgersprechstunden – egal, ob in Calw, Nagold, Horb, Freudenstadt oder Bad Wildbad – sind jedes Mal ausgebucht. Es gibt sogar eine Warteliste, so groß ist die Nachfrage, mit dem Politiker ins Gespräch zu kommen.

Mit Diktiergerät und Handy geht er an die Arbeit, getreu seinem Motto: „Wer schnell hilft, hilft doppelt.“ Aus den angesetzten zwei Stunden werden oft vier oder fünf. Fuchtel: „Der Bürger ist mein Kunde, und daher ist mir diese Art des regelmäßigen Kontakts sehr wichtig.“

Meistens sind es die kleinen Alltagssorgen, die die Gegenüber plagen. Dann hört Hans-Joachim Fuchtel geduldig zu, zeigt Wege auf, tröstet, ist Beichtvater, Helfer in der Not, Bittsteller für andere. Manchmal sind es auch gute Ideen, die er präsentiert bekommt und von denen er einige schon bis zur Realisierung begleitet hat. Andere kann er in seine politische Arbeit einfließen lassen. Selbst Unternehmer kommen in seine Sprechstunde, bringen ihre Erfindungen mit oder erzählen von ihren Sorgen.

So auch der Rentner, der an diesem Nachmittag am Tisch sitzt, weil er sich vom Sozialstaat ungerecht behandelt fühlt. Kurz vor der Insolvenz hat er seine ganzen Ersparnisse noch in die eigene Firma gesteckt. Nun müssen er und seine Frau von Sozialhilfe leben. Bei der Mütterrente gehen sie leer aus. Das verstehen sie nicht. Geduldig hört Fuchtel zu, versucht, die Wogen zu glätten, erklärt verständnisvoll, dass sie wenigstens vom sozialen Netz aufgefangen worden sind.

Eine Viertelstunde später sitzt ein Handwerker vor ihm, der nach einer Operation an der Halswirbelsäule nicht mehr auf dem Bau arbeiten kann. Aber die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam. So langsam, dass er fürchten muss, an einer Qualifizierungsmaßnahme nicht teilnehmen zu können, obwohl er gerne wieder arbeiten möchte. Das versteht auch der Bundestagsabgeordnete nicht. Schon diktiert er einen Brief. Hans-Joachim Fuchtel will von der Behörde wissen, warum man dem Mann nicht hilft.

Für die Spätaussiedler, die dringend eine ebenerdige Wohnung suchen, weil die Großmutter auf den Rollstuhl angewiesen ist, greift er zum Mobiltelefon. Er findet jemanden, der Hilfe verspricht, und ist dankbar dafür. Hilfe zu organisieren, das ist nicht immer einfach. Aber in all den Jahren hat das meistens funktioniert. Denn das Netzwerk des Parlamentarischen Staatssekretärs ist riesengroß.

Schließlich hört er einem Bluter-Patienten zu, der in seine Sprechstunde gekommen ist. „Mir geht es eigentlich wieder gut“, sagt der Mann. Doch dem Petenten geht es um Gerechtigkeit, vor allem für diejenigen, denen ähnliches widerfahren ist. Während an Aids erkrankte Bluter eine Entschädigung vom Staat erhalten, hängen die Leberkranken, die durch verunreinigte Konserven viel Leid ertragen müssen, in der Luft. „Das kann nicht sein“, pflichtet ihm Hans-Joachim Fuchtel bei. Er möchte bei den zuständigen Stellen vorstellig werden. Dazu wird er seine Kontakte in der Bundeshauptstadt nutzen.

Am Mittag war der Politiker noch direkt vom Kabinettstisch in Berlin in seinen Wahlkreis geeilt, hatte zwischendurch ein mehrstündiges Gespräch mit Unternehmern geführt. Bevor er nun nach gut 12 Stunden Einsatz zu einem letzten, wichtigen Abendtermin eilt, schenkt der Politiker dem letzten Besucher seiner Sprechstunde Gehör. Dem Unternehmer geht es gar nicht um seine eigenen Interessen oder die seiner Firma. Er macht sich Gedanken um die Infrastruktur seiner Heimatstadt. Da hört der Abgeordnete gerne nochmal aufmerksam zu. Denn „es ist gut, wenn sich Bürger intensiv in die politische Arbeit einbringen“, sagt der Staatssekretär, „schließlich ist die Sprechstunde auch dazu da, dass ich weiß, wo den Bürger der Schuh drückt. So habe ich auch die Gewissheit, dass ich regelmäßig von allen Seiten ungefiltert upgedatet werde.“

 


 

INFO

Bürgersprechstunde beim Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel: Wie funktioniert das eigentlich? Wer sich im Abgeordnetenbüro meldet, wird vor der nächsten Sprechstunde angerufen. Außerdem werden die Sprechstunden durch ein Zeitungsinserat angekündigt. Wer sich jetzt schon für einen der nächsten Termine des Bundestagsabgeordneten anmelden möchte, kann dies im Wahlkreisbüro unter Telefon 07453/91323 tun oder per E-Mail an: hans-joachim.fuchtel.wk@bundestag.de.

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