11.10.2011

Eppelmann von Zedakah beeindruckt

Prominenter DDR-Oppositioneller: In Hilfsprojekt zeigt sich Stärke der Demokratie / Stefan Schmid neuer Geschäftsführer


Eppelmann von Zedakah beeindruckt Diskutierten über die gemeinnützige Arbeit von Zedakah auf Anregung des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel in Maisenbach-Zainen (von links): Ortsvorsteher Fritz Steininger, Rainer Weiß (1. Stellvertreter des Bürgermeisters), Pfarrer Rainer Eppelmann, Erich Keck (2. Stellvertreter des Bürgermeisters), Geschäftsführer Stefan Schmid, Pfarrer Michael Wanner (Vorsitzender), Bernhard Grossmann (CDU-Ortsvorsitzender Neubulach) und Heinz Ossmann, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Bad Liebenzell.

 

Bad Liebenzell-Maisenbach-Zainen. Pfarrer Rainer Eppelmann hat in seinem Leben, vor allem als Oppositioneller in der DDR, viele Emotionen erlebt. „In Ihrem Haus wird mir aber besonders deutlich, wie großartig wir Menschen sein können“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Aufarbeitung in Maisenbach-Zainen, wo er sich über die Arbeit des Vereins Zedakah informierte. Der neue Geschäftsführer  Stefan Schmid, seit wenigen Wochen im Amt, berichtete von der gemeinnützigen Arbeit des Liebeswerkes Israel, das sich seit 50 Jahren von dem Bad Liebenzeller Stadtteil aus für Überlebende des Holocaust einsetzt.

Bislang baut Zedakah hauptsächlich auf Spenden. Eppelmann regte an, über feste Einnahmequellen ein noch sichereres finanzielles Fundament zu schaffen, damit der Verein gestärkt in die Zukunft gehen kann. „Ihre größte Herausforderung wird der Sprung in die nächste Generation sein“, betonte das prominente CDU-Mitglied, das auf Anregung seines Parteifreundes und Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel einen Abstecher nach Maisenbach-Zainen unternahm. „Mit Ihrer Arbeit wird auch die Stärke der Demokratie sichtbar“, fügte Eppelmann hinzu, die den Bürgern in der DDR verwehrt gewesen sei.

Derzeit gibt es in Israel nach den Worten des Zedakah-Vorsitzenden und Pfarrers Michael Wanner noch 200.000 Überlebende des Holocaust, die in der Regel stark traumatisiert seien und „von denen viele wegen der deutschen Judenverfolgung an der Armutsgrenze leben.“ Die Arbeit von Zedakah, die alles andere als missionarisch geprägt sei, werde in Israel sehr hoch bewertet, weil sie uneigennützig „die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes“ lindere, so Schmid.

Neben dem Einsatz in Israel werden seit 28 Jahren im Haus Bethel in Maisenbach-Zainen mit seinen 70 Übernachtungsbetten den Holocaust-Überlebenden unbeschwerte Tage bereitet. „Hier lernen Juden, die furchtbar gelitten haben, deutsche Christen wieder zu lieben und zu schätzen“, sagte der neue Geschäftsführer Stefan Schmid, der zusammen mit seiner Frau Cornelia die Heimleitung übernommen hat. Hier laufen auch die Fäden des Liebeswerkes Israel zusammen.

In Maisenbach-Zainen lassen sich außerdem jährlich bis zu 35 junge Menschen unterschiedlicher Konfessionen auf ihren Freiwilligendienst in Israel vorbereiten. Bei ihrer gemeinnützigen Arbeit sammeln sie Eindrücke und Erfahrungen, die ihr Leben prägen. Zedakah hat seit dem Wegfall des Zivildienstes aktuell einen Antrag auf Anerkennung für den Bundesfreiwilligendienst gestellt.

Da die Zahl der noch lebenden Holocaust-Opfer mit den Jahren deutlich abnehme, beschäftige man sich intensiv mit der Frage, wie sich das Liebeswerk Israel weiterentwickeln könne, betonte Pfarrer Wanner. Es mache Sinn, mehr Menschen in die Verantwortung für die Hilfsprojekte zu nehmen. Für den Dialog über die Zukunft des gemeinnützigen Vereins und seiner Einrichtungen regte Heinz Ossmann, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Bad Liebenzell, eine Diskussionsrunde mit den Abgeordneten an.

Ortsvorsteher Fritz Steininger dankte Rainer Eppelmann für seine persönliche Wertschätzung der gemeinnützigen Arbeit von Zedakah. Mit dem evangelischen Pfarrer habe eine „Gallionsfigur in der Aufarbeitung deutscher Vergangenheit“ nach dem Zusammenbruch des DDR-Regimes den Ort Maisenbach-Zainen besucht.[Druckversion]