08.07.2015

Hilfe muss in die Breite gehen

Fuchtel diskutiert mit Studenten über Entwicklungszusammenarbeit / Initiative der Hochschulen Bad Liebenzell und Pforzheim

Hilfe muss in die Breite gehen Hans-Joachim Fuchtel zitiert Albert Schweizer vor Studenten in Bad Liebenzell: „Das Kleine, was du tust, ist viel.“

Bad Liebenzell / Pforzheim. Ausreden lässt Hans-Joachim Fuchtel nicht gelten. "Helfen kann jeder", sagt der Parlamentarische Staatssekretär in Bad Liebenzell. Die Studenten aus ganz Deutschland freuen sich über die offenen Worte direkt von der Regierungsbank. Sie nehmen auf Einladung ihrer Konstipendiaten von der Internationalen Hochschule Bad Liebenzell und der Hochschule Pforzheim an einem Initiativseminar teil.

Intensiv gehen sie drei Tage lang der Frage nach der Verantwortung für die Not leidenden Mitmenschen in der globalisierten Welt nach. Möglich gemacht hat dies die Konrad Adenauer Stiftung im Rahmen ihrer Begabtenförderung. Das Seminar ist überfüllt, das Interesse riesengroß. Dem Bundestagsabgeordneten sitzen Stipendiaten gegenüber, die auch vor kritischen Fragen zur deutschen Entwicklungszusammenarbeit nicht Halt machen.

Hans-Joachim Fuchtel freut sich über das ausgeprägte Interesse der jungen Leute an dem Thema, das sie sich selber auferlegt haben. Deshalb bleibt er auch nach seinem einstündigen Vortrag gerne länger als geplant in dieser Runde. "Wir wollen ja, dass unsere Hilfe wirklich in die Breite geht", sagt der Politiker. Was liegt da näher, als den Dialog mit der Generation zu führen, die künftig die Geschicke auf dieser Welt lenken wird?

Vorbei die Zeiten, als Entwicklungsgelder noch nach dem Gießkannen-Prinzip ausgegossen wurden, sagt Fuchtel. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entfalte lieber langfristige Perspektiven und gebe gezielt Kredite, um Hilfe zur Selbsthilfe aufzubauen. Afrika werde bei einem schon länger anhaltenden Wirtschaftswachstum von bis zu acht Prozent in einzelnen Ländern als Kontinent der Zukunft oft verkannt. "Durch unsere Politik machen wir aus wenig Geld mehr", erklärt Fuchtel, "und begeben uns auch auf Neuland, in dem wir die kommunale Ebene verstärkt in unsere Arbeit einbinden."

"Natürlich treffen wir in manchen Ländern auch auf Probleme", gibt Fuchtel unumwunden zu, "weil die Regierungsführung auf der Gegenseite manchmal nicht unseren Vorstellungen entspricht." Korruption und Terrorismus seien gravierende Störfaktoren. Oft müsse sogar der Finger in die Wunde gelegt werden. Am Beispiel des zwischenzeitlich sehr erfolgreichen Textilbündnisses sehe man, dass innovative politische Strategie viel für die Verbesserung von nachhaltigen Produktionsmethoden und Arbeitsbedingungen bewirken könne.

Als einen Mosaikstein zeigte Fuchtel, wie Verbraucher auf ihrem Smartphone erkennen können, welche Waren nachhaltig produziert wurden. Das sorge in den Herstellungsländern für erhöhte Aufmerksamkeit. Indem der Verbraucher die neue App "Siegelklarheit" einsetze, könne er seine Kaufentscheidung auf mehr Nachhaltigkeit ausrichten. Fuchtel: „Wenn das viele machen, hat es Wirkung auf dem Markt!“ Da werde selbst Europa noch dazu lernen müssen. "Unser Ziel ist eine öffentliche Beschaffungsdiskussion, damit Klarheit darüber herrscht, wo die Ware herkommt und wie sie entstanden ist."

[Druckversion]