15.07.2015

Fuchtel: Kein falsches Signal geben

Zur Sterbehilfe ganzen Tag für Beratung mit Dekanen angesetzt / Große Übereinstimmungen / Stationäres Hospiz kommt voran

Sterbehilfe - Beratung mit Dekan TrickIm engen Dialog mit den Kirchen zum Thema Sterbehilfe: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel in Freudenstadt mit dem evangelischen Dekan Werner Trick. Am Rande sprachen die Kirchenvertreter mit dem Politiker auch über die neue Handy-App „Siegelklarheit“, mit der Waren auf ihre nachhaltige Produktion hin zurückverfolgt werden können.

Calw / Freudenstadt. Wie kaum ein anderes Thema wird die Sterbehilfe in Deutschland emotional diskutiert. Deshalb war es dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel ein besonderes Anliegen, fern aller Debatten in Berlin die Aspekte mit den in seinem Wahlkreis Calw/Freudenstadt residierenden Dekanen zu erörtern. Einen Tag lang nahm sich der Bundestagsabgeordnete ausführlich Zeit für die sehr intensiven Gespräche mit den führenden Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche.

 Außerdem suchte Fuchtel Pfarrer Detlef Krause auf, um die Ansichten in Kreisen der Liebenzeller Mission kennenzulernen. Sehr schnell stellte der Parlamentarier fest, dass es in der Bewertung der Thematik große Übereinstimmungen zwischen ihm als direkt gewähltem Abgeordneten der Region und den Dekanen gibt. Fuchtel: „Hier geht es um eine existentielle, letzte Frage für alle Menschen. Als Christ ist es mir wichtig, vor einer solchen Entscheidung im Bundestag mit den Kirchen zu sprechen.“

 

Sterbehilfe - Beratung mit Dekan HartmannIm engen Dialog mit den Kirchen zum Thema Sterbehilfe: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel in Calw mit dem evangelischen Dekan Erich Hartmann.

 

Letztere lehnen aktive Sterbehilfe grundsätzlich ab. Ihr Augenmerk gilt dem Ausbau der Palliativmedizin und Hospizbewegung. „Anfang und Ende unseres Lebens liegen in Gottes Hand“, sagte beispielsweise der evangelische Dekan Werner Trick in Freudenstadt und auch sein Calwer Amtskollege Erich Hartmann lehnt aktive Sterbehilfe ab.

„Wir wollen die Tür in Richtung aktive Sterbehilfe auf gar keinen Fall aufmachen“, betont der katholische Dekan Markus Ziegler in Freudenstadt, während sein Kollege Holger Winterholer aus Calw den Bundestagsabgeordneten mit der Top-Nachricht überraschte, dass man in der Hospizbewegung im Nordschwarzwald einen Quantensprung vorangekommen sei. Die St.-Elisabeth-Stiftung habe ihre Bereitschaft signalisiert, die Trägerschaft für ein stationäres Hospiz in Nagold über Konfessionsgrenzen hinweg zu übernehmen. „Wir setzen als Kirchen damit ganz bewusst einen Kontrapunkt zu den allgemeinen Diskussionen“, betonte der Dekan, „denn unser Anliegen ist, dass wir keine aktive Sterbehilfe leisten, sehr wohl aber sterbenskranken Menschen eine ärztliche und seelsorgerische Begleitung bis zum Schluss ermöglichen.“

 

Sterbehilfe - Beratung mit Dekan ZieglerIm engen Dialog mit den Kirchen zum Thema Sterbehilfe: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel in Freudenstadt mit dem katholischen Dekan Markus Ziegler.

 

Die Dekane sehen sorgenvoll, dass das Angebot an gewerblichen Formen der Sterbehilfe über Hand nimmt. „Wir müssen eine Gesellschaft bleiben, wo auch das versehrte und behinderte Leben eine Wertschätzung erfährt“, betonte Erich Hartmann, „ein Ja zur Sterbehilfe würde ein völlig falsches Signal geben, vor allem gegenüber Pflegebedürftigen und Demenzkranken, die sich dann allzu schnell als Last der Gesellschaft empfinden.“

Ein Nein zur Sterbehilfe, so die Dekane übereinstimmend, schließe nicht aus, die Schmerzen des Patienten zu lindern und ihm die Möglichkeit zu gewähren, menschenwürdig und ohne lebensverlängernde Maßnahmen zu sterben. Dafür leisteten die Hospizvereine und die Palliativ-Einrichtungen sehr gute Arbeit. 

 

Sterbehilfe - Beratung mit Dekan WinterholerIm engen Dialog mit den Kirchen zum Thema Sterbehilfe: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel in Calw mit dem katholischen Dekan Holger Winterholer.

 

Die offenen Gespräche mit den Dekanen seien für ihn die Basis, so Fuchtel, „mich sorgfältig auf die anstehende Entscheidung zur gesetzlichen Neuregelung der Suizidhilfe vorzubereiten.“ Dafür sei er den Kirchenvertretern und der Liebenzeller Mission sehr dankbar. Der Staatssekretär wird sich, nach den Eindrücken dieser Gespräche, dem fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf „zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ anschließen. Gleichzeitig berücksichtigt dieser von Hans-Joachim Fuchtel favorisierte Vorschlag das enge Verhältnis in Familien, indem Angehörige und nahestehende Personen, die gerade nicht geschäftsmäßig handeln, von der Strafbarkeit ausgenommen sind.

„Dass sich die Beihilfe zum Suizid zu einem professionellen Dienstleistungsangebot entwickelt und dadurch gesellschaftliche Normalität wird, muss verhindert werden“, so Fuchtel. Über ein neues Gesetz wolle die Union stattdessen mit fast 200 Millionen Euro im Jahr die Hospiz- und Palliativversorgung nachhaltig stärken.

[Druckversion]