21.07.2015

Platz für Einzelschicksale

Hans-Joachim Fuchtel half Julius Onuwo / Bleiberecht in prekärer humanitärer Lage / Walter Hummel übernahm Patenschaft

Platz für EinzelschicksaleJulius Onuwo dankte für die humanitäre Unterstützung (stehend von links): BAMF-Präsident Dr. Manfred Schmidt, Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Pfarrer Walter Hummel.

Calw. Immer dann, wenn Julius Onuwo die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Calw verlässt, ist das mit erheblichen Strapazen für ihn verbunden. Denn der 24-jährige kann sich nur mühsam kurzzeitig an Krücken fortbewegen und ist ansonsten auf den Rollstuhl angewiesen. Hans-Joachim Fuchtel: „Wir haben ein Asylrecht, das die Rückführung derjenigen vorsieht, die zu Unrecht Asyl begehren. Wir haben aber auch für prekäre humanitäre Situationen Hilfsmöglichkeiten, wie sich an diesem Fall zeigt.“ 

Aus humanitären Gründen hatte sich Hans-Joachim Fuchtel in seiner Eigenschaft als Abgeordneter bei Dr. Manfred Schmidt, Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), dafür eingesetzt, dass der junge Mann zumindest so lange in Deutschland bleiben darf, bis über seinen Asylantrag entschieden worden ist. „Für ihn ist das ein Hoffnungsschimmer“, sagt Walter Hummel, „dass er auf Grund seiner körperlichen Situation vielleicht ein humanitäres Bleiberecht in der Bundesrepublik erhält.“

Der evangelische Pfarrer war es auch, der sich wegen des Schicksals an den CDU-Abgeordneten gewandt hatte. Dem Politiker war sofort klar: Hier kann nur das Bundesamt direkt helfen. Dessen Präsident hat sofort gehandelt. Als Schmidt jetzt auf Fuchtels Initiative bei einer Veranstaltung in Spielberg sprach, brachte Walter Hummel seinen Schützling gleich mit, um sein besonderes Schicksal darzustellen.  

Nachdem Onuwo als Minderjähriger vor der Gewalt in seiner Heimat nach Europa geflüchtet war, landete er zunächst in Italien, wo er ordnungsgemäß einen Asylantrag stellte. Doch dort wurde der Jugendliche durch vier Messerstiche in den Rücken so schwer verletzt, dass er seitdem querschnittsgelähmt ist. Der Täter kam dafür ins Gefängnis. Julius Onuwo fand nach einem halbjährigen Krankenhausaufenthalt Unterschlupf bei einem Italiener, den er in der Klinik kennengelernt hatte. Als der selber krank wurde und ihn nicht mehr versorgen konnte, wagte der junge Mann auf eigene Faust die beschwerliche Weiterreise nach Deutschland, wo er im Dezember 2014 ankam.

Da die Erstaufnahmestelle in Karlsruhe es versäumt hatte, wie Pfarrer Hummel erläuterte, die Querschnittslähmung in die Akte des Nigerianers einzutragen, erhielt er automatisch den Bescheid: Zurück nach Italien! Julius Onuwos Asylantrag in Deutschland sei unzulässig, weil er schon einen in Italien gestellt hatte. Weder Klage noch Eilantrag hatten Wirkung, obwohl ein Neurologe den Sachverhalt bescheinigte.

Aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen hält Pfarrer Walter Hummel eine Rückführung nach Italien aus humanitären Gründen für unzumutbar. Sowohl Unterbringung und Versorgung, als auch medizinische und therapeutische Betreuung seien in Italien eher fraglich. Zwischenzeitlich haben er und seine Frau eine Patenschaft für Julius Onuwo übernommen. Sie begleiten ihn bei Behördengängen, beim Einkaufen und bei Arztbesuchen. Durch seine körperliche Einschränkung ist es ihm nicht möglich, selbständig die Gemeinschaftsunterkunft zu verlassen. Seit einigen Wochen besucht Julius Onuwo die Jugendkirche Choy in Althengstett, wo er bereits guten Kontakt zu den Gottesdienstbesuchern knüpfen konnte.

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