12.10.2011

800 Mutterschweine verloren

Gehör für die Landwirtschaft / Faßnacht: Kritische Fragen zum Nationalpark mehr als angebracht / Fuchtel diskutiert mit Berufsstand über Umweltschutz und Viehhaltung

 

 

800 Mutterschweine verlorenZur landwirtschaftlichen Diskussionsrunde trafen sich in Horb-Altheim (von links): Horbs CDU-Stadtverbandsvorsitzender Thomas Kreidler, Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Kreisbauernverband-Vorsitzender Gerhard Fassnacht und Landfrauen-Kreisvorsitzende Katharina Schmelzle.

Im Verlauf der Diskussionsrunde, die sich unter anderem um Umweltschutz, Schweinezucht und Milchviehhaltung drehte, äußerte Fassnacht die Sorge, dass die grün-rote Landesregierung den bäuerlichen Betrieben künftig noch weniger Spielraum in der Bewirtschaftung ihrer Höfe einräume. Den Landwirten werde immer wieder der Vorwurf gemacht, dass sie die Natur verdrängten, doch werde – im Gegenteil – seinem Berufsstand jegliche Möglichkeit genommen, auf Veränderungen im Landschaftsbild zu reagieren. Durch Wohnbebauung und Straßenbau verliere man mehr Grünland rund um die Dörfer als durch landwirtschaftlichen Umbruch, sagte Gerhard Faßnacht.

Ein Nationalpark – egal welcher Größe – wäre wie eine Käseglocke, unter der die Nutzung verboten ist. Es sei mehr als fragwürdig, ob sich das rohstoffarme Land Baden-Württemberg überhaupt einen Nationalpark leisten könne.

Sorgen bereitet dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes ebenso, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz den großen Energiekonzernen neue Perspektiven in der Fläche ermögliche. Durch den Ausverkauf von Land würde den Bauern allerdings ihre Existenzgrundlagen entzogen. Die Marktmacht der drei großen Schweineschlachtereien in Deutschland stehe einer Vielzahl an kleineren Anbietern gegenüber. Die Schweinehaltung in Baden-Württemberg werde ausbluten, wenn sie politisch keine Unterstützung erfahre. Der Raum Horb/Dornhan habe bereits 800 Mutterschweine seit 2007 verloren.

Unter dem Arbeitstitel „Landwirtschaft aktuell“ möchte der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel deshalb seinen Fraktionskollegen aus Kirchberg an der Iller, MdB Josef Rief, in den Wahlkreis Calw/Freudenstadt einladen. Rief ist ordentliches Mitglied im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und deshalb kompetenter Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte des Berufsstandes. Nach Ansicht des Parlamentarischen Staatssekretärs sollten die Landwirte ohnehin mehr in die politische Diskussion einbezogen werden.

Die CDU habe die Führungsrolle in der Energiepolitik übernommen. Energiepolitik müsse so gestaltet werden, dass die bäuerlichen Betriebe nicht benachteiligt seien, so Fuchtel.

In die Diskussion über einen Nationalpark empfehle sich, den Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Dr. Helmut Born, einzuschalten. „Angesichts der Leistungen, die die bäuerlichen Familienbetriebe seit Generationen für Ökologie und Umwelt erbringen, muss diesem Berufsstand mehr Gehör in solch wichtigen Grundsatzentscheidungen geschenkt werden“, betonte der Staatssekretär. Faßnacht abschließend: „Kritische Fragen zum Nationalpark sind mehr als angebracht.“[Druckversion]