27.07.2015

Kreisobmänner legen Veto ein

Fassnacht und Großhans bei Staatssekretär Fuchtel / Heftige Kritik an Plänen für neue Düngeverordnung

Kreisobmänner legen Veto ein Die Kreisobmänner Friedrich Großhans (Calw, links) und Gerhard Fassnacht (Freudenstadt, rechts) sprechen beim Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Mitte) wegen der Pläne für eine Änderung der Düngeverordnung vor.

Calw / Freudenstadt. Die Bauern in den Kreisen Calw und Freudenstadt sind besorgt: Sollte es zu einer Verschärfung der Fristen für die Ausbringung von Gülle kommen, „dann ist es mit der bäuerlichen Landwirtschaft bald vorbei“, sagen die Kreisobmänner Gerhard Fassnacht (Freudenstadt) und Friedrich Großhans (Calw). Deshalb baten sie den Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel um Einsatz in Berlin. 

Bislang darf Gülle laut Düngeverordnung im Herbst bis 14. November auf Grünland ausgebracht werden. Ein Entwurf des Bundesagrarministeriums sieht in Anlehnung an einen Vorschlag der Europäischen Union allerdings vor, das Düngeverbot künftig schon ab 1. November in Kraft treten zu lassen. Es sei zwar angedacht, den einzelnen Bundesländern dafür einen zeitlichen Spielraum bis 1. Dezember zu lassen, doch fürchten Fassnacht wie Großhans, „dass die Grünen im Land dann eher noch eins draufsatteln.“

Was da im Gesetzentwurf stehe, so Fassnacht, werde „zu einer Fehlentwicklung führen, unter der dann alle leiden.“ Für die Schwarzwald-Lagen sei die Ausbringung der Gülle indes existenziell, pflichtete ihm Großhans bei, denn deren Lagerung ins Frühjahr hinein sei auch eine Frage der Kapazitäten, erzeuge Geruchsbelästigung und sorge für Überkapazitäten. Außerdem seien die Vorschriften für Güllegruben verschärft worden. Sinnvoller wäre es doch, in den Schwarzwald-Lagen die Möglichkeit zur Ausbringung von Gülle vom Bund her tatsächlich bis Anfang Dezember zu verlängern. Denn im Februar, wenn Gülle theoretisch wieder ausgebracht werden darf, gebe es hierzulande meistens noch Schnee und Frost.

„Man kann nicht alles auf uns abwälzen“, argumentiert Gerhard Fassnacht, „denn sonst gibt’s irgendwann gar keine Bauern mehr.“ Die beiden Kreisobmänner wehren sich: „Früher hat man uns für unsere Arbeit im Sinne des Naturschutzes gelobt, heute sind wir die Buhmänner!“

Der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel möchte auf jeden Fall darauf hinwirken, dass die Argumente aus seinem Wahlkreis sowohl bei Christian Schmidt, dem Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, zur Sprache kommen als auch bei der CDU-Landesgruppe im Bundestag. „Wir sprechen immer von der bäuerlichen Landwirtschaft“, betonte Fuchtel, „aber in der Praxis entstehen sukzessive Entwicklungen, die es für die bäuerlichen Betriebe immer schwieriger machen, damit zurecht zu kommen.“ Die Folge liege doch auf der Hand: Der Berufsstand wird immer kleiner; Nachwuchs rücke kaum noch nach. Eine Situation, die auf Dauer den ländlichen Raum schwäche.

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