29.07.2015

In Kabul war sein Leben bedroht

Der Journalist Sohrab Samanian ist mit seiner Familie nach Deutschland geflohen / Pate bittet Fuchtel um Hilfe

In Kabul war sein Leben bedrohtHilfe für bedrohten Journalisten und seine Familie aus Afghanistan (von links): Pate Lucas Wehner, Gerd Igney, Helga Mühleisen, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Dr. Frank Wiehe, Sohrab Samanian und sein Landsmann Mohammad Asif Naim, der seit 23 Jahren in Nagold lebt.

Nagold / Bad Liebenzell. In Afghanistan unterstützte er als Journalist die Arbeit der deutschen Bundeswehr, der Vereinten Nationen und später der amerikanischen Entwicklungsagentur US AID. Doch als die Taliban Sohrab Samanian Morddrohungen schickten, flüchtete er mit seiner Familie nach Deutschland. Jetzt kam es in Nagold zu einer Begegnung mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, der ihm Hilfe anbot, sein Leben neu zu organisieren.

 Den Kontakt zu dem CDU-Bundestagsabgeordneten hatte Lucas Wehner aufgebaut. Der Referent der Hochschulleitung der Internationalen Hochschule Liebenzell hat vor wenigen Wochen eine Patenschaft für Sohrab Samanian übernommen. Er war einem Aufruf des Patenschaftsnetzwerkes Afghanische Ortskräfte gefolgt, das ehemaligen afghanischen Ortskräften der Bundeswehr hilft, in Deutschland Fuß zu fassen. „Ich möchte kein Geld fürs Nichtstun“, stellt Sohrab Samanian klar, „doch ich würde gerne wieder als Journalist arbeiten, um meine Familie ernähren zu können.“ Ein Gefühl von Heimat bräuchten seine Frau und seine vier kleinen Töchter jetzt dringender denn je.  

Der 31-jährige ist nicht der einzige Afghane, der durch die Taliban heimatlos geworden ist. Lucas Wehner berichtet von der Gründung des Patenschaftsnetzwerkes, das vom Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) unterstützt wird. Deshalb wird sich Fuchtel mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Markus Grübel vom BMVg abstimmen, welche Arbeitsmöglichkeiten es für ehemalige afghanische Ortskräfte hierzulande gibt. Alternativ könnte Sohrab Samanian langfristig bei einem Medium als Journalist unterkommen, wenn er die deutsche Sprache erlernt.

Derweil kümmern sich sein Pate und der Arbeitskreis Asyl im Nagolder Flüchtlingsheim um den 31-jährigen und seine Familie. Gerd Igney und Helga Mühleisen begleiten Fuchtel durch die beiden Häuser, in denen derzeit 148 Menschen unterschiedlicher Nationalität leben. Der Arbeitskreis zählt 35 Aktive sowie nochmals 120 Unterstützer.

Das frühere Fachpflegeheim der Bruderhausdiakonie sei ideal für die Unterbringung geeignet, sagt Ralf Bühler vom Sozialdienst des Landratsamtes Calw. Er ist gemeinsam mit dem Ersten Landesbeamten Dr. Frank Wiehe vor Ort. Sogar Grünflächen und einen Spielplatz für die Kinder gibt es hier. „Die Menschen, die zu uns kommen, sind sehr zufrieden“, weiß Gerd Igney zu berichten. Im Café Asyl werden Aktivitäten und Veranstaltungen angeboten, um die Kontakte untereinander zu intensivieren.

Die Voraussetzungen für die Integration von Flüchtlingen aus Afghanistan seien günstig, so Bühler. Sohrab Samanian und seine Familie haben bereits Anschluss in Nagold gefunden. Um das Schicksal der Flüchtlinge aus Kabul kümmert sich Mohammad Asif Naim. Der gebürtige Afghane lebt seit 23 Jahren in Nagold, fühlt sich hier voll integriert und sagt: „Ich helfe gerne meinen Landsleuten, das ist doch klar!“

 


 

Information / Aufruf

Zusätzliche Fahrräder könnte das Flüchtlingsheim in Nagold dringend für seine Bewohner gebrauchen. Die Fahrräder werden auch direkt beim Spender abgeholt. Erforderliche Reparaturen werden gegebenenfalls von den Bewohnern selbst vorgenommen. Wer ein Fahrrad entbehren kann, wendet sich direkt an Helga Mühleisen vom Arbeitskreis Asyl über die Mail-Adresse: Helga.Muehleisen@gmx.de.

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