16.09.2015

Nächstes Mal will sie eine Torte backen

Nicaraguas Botschafterin von dualem Ausbildungssystem beeindruckt / Staatssekretär Fuchtel regte Schulbesuch an

Nächstes Mal will sie eine Torte backen Duale Ausbildung als deutsches Erfolgsrezept: die nicaraguanische Botschafterin Karla Beteta Brenes im Gespräch mit Amtsleiter Ulrich Bischoff und Schulleiter Peter Stumpp (rechts).

Freudenstadt. Einen wichtigen Grund hat Karla Beteta Brenes bereits, um nach Freudenstadt wiederzukommen. Die Botschafterin aus Nicaragua möchte dann mit Helmut Correus eine Schwarzwälder Kirschtorte backen. Das vereinbarte sie mit dem Fachlehrer an der Heinrich-Schickhardt-Schule in Freudenstadt, der ihr einen Gruß für den Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel mit auf den Weg nach Berlin gegeben hatte. 

Der Bundestagsabgeordnete war seinem Gast aus der Diplomatie an diesem Morgen wegen dringender Amtsgeschäfte schon in die Hauptstadt vorausgeilt, während die Botschafterin den vierten Tag ihres Aufenthaltes im Nordschwarzwald dazu nutzte, sich ausführlich über die duale Ausbildung und das Angebot im Freudenstädter Weltladen zu informieren. Begleitet wurde sie unter anderem von CDU-Gemeinderat Dr. Gerolf Hau und dem Junge Union-Vorsitzenden Patrick Speiser. Sehr interessiert hakte Ihre Exzellenz bei Schulleiter Peter Stumpp nach, wie die behinderten Schülerinnen und Schüler in dieses System integriert werden.

Eine duale Ausbildung nach deutschem Vorbild ist so gut wie einmalig auf der Welt. Nach Fuchtels Vorstellungen könnte sie jedoch auch in anderen Ländern die Qualität der Ausbildung dauerhaft verbessern, weil sie über den Betrieb mit der Praxis kombiniert wird. Das wiederum würde jungen Menschen neue Chancen in ihrer Heimat und auf internationalen Arbeitsmärkten bringen.

Auch Auszubildende in Nicaragua drücken nur die Schulbank, wenn sie ein Handwerk erlernen. Umso erstaunter war Karla Beteta Brenes, dass die angehenden Maurer, Zimmerleute oder Elektriker in Freudenstadt sogar die Möglichkeit haben, ein richtiges kleines Haus in den Fachräumen der Schule zu bauen, bevor sie ins Berufsleben entlassen werden. Auszubildende im Friseurhandwerk lernen zum Beispiel an Hand von Modellen, wie sie eine Frisur in Form bringen. „Unsere Schülerinnen und Schüler haben bei uns schon ihre ersten Erfolgserlebnisse“, sagte der Schulleiter, „bevor sie im Betrieb an ihren Ausbildungsplatz gehen.“ Dabei sei es durchaus üblich, dass die Betriebe ihre Wünsche in den Schulunterricht einbringen.

Ein zusätzliches Manko in ihrer Heimat sei, so die Botschafterin, dass nach dem Abitur alle zur Universität streben. Deshalb habe ihr Heimatland damit begonnen, Industrie- und Handwerksberufe zu fördern; in der Elektronikausbildung seien bereits Erfolge sichtbar. Auch in Deutschland sei diese Tendenz zum Studium spürbar geworden, sagte Peter Stumpp, worunter „die duale Ausbildung schwer gelitten“ habe. Doch seit vier Jahren nehme die Zahl der Auszubildenden wieder zu. Und das sei gut so, denn „Deutschland braucht Fachkräfte“.

Berufsschulen seien auch dazu da, jungen Menschen Chancen zu geben, damit diese das Beste aus sich machen könnten, betonte Ulrich Bischoff, Leiter der Haupt- und Finanzverwaltung beim Landratsamt Freudenstadt. Für Bischoff sind die Grenzen eines Universitätsstudiums schnell erreicht, wenn es um den Alltag geht: „Wenn der Wasserhahn tropft, merkt man sofort, dass man den nicht mit dem Computer austauschen kann.“

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