02.10.2015

Heimische Milch braucht Wertschätzung

Staatssekretär Fuchtel im Kuhstall / Mast: Preis trägt Kosten nicht

fumilchIm Dialog mit den Milchbauern der Region: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (links) auf dem Schaible-Hof in Seewald-Hochdorf.

 

Seewald-Hochdorf / Sommenhardt. Seit dem Auslaufen der Milchquote unterliegt der Milchmarkt in der Europäischen Union (EU) den Gesetzen der Marktwirtschaft. Der hiesige Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel nahm sich in Seewald-Hochdorf zweieinhalb Stunden Zeit, um mit den Milchbauern der Region über deren Sorgen zu sprechen.

Man traf sich direkt im Kuhstall, wo das Ehepaar Schaible für die beachtliche Zahl betroffener Landwirte selbstredend auch Milch servierte. Landwirt Norbert Mast aus Sommenhardt bei Calw legte dar, dass der derzeitige Milchpreis einfach nicht die Kosten trage. Er empfahl vorübergehend Maßnahmen der Mengenbegrenzung zu ergreifen. Hans-Joachim Fuchtel hörte sich die Berichte an. Eine Rückkehr in Richtung Mengenbegrenzung werde in Europa nicht erreichbar sein. Deswegen habe die EU nicht zuletzt auf Drängen Deutschlands ein Krisenprogramm geschmiedet.

Der Parlamentarische Staatssekretär zeigte sich bestens informiert über landwirtschaftliche Strukturen und die Situation der bäuerlichen Betriebe. „Ich habe großen Respekt vor denen, die sich der Landwirtschaft mit aller Konsequenz verschrieben haben“, sagte der CDU-Politiker. „Wer das anders sieht, sollte einmal am Wochenende auf einem Hof mitarbeiten.“

Im modernen Kuhstall von Karl-Ulrich und Tanja Schaible lobte Fuchtel, mit welcher Überzeugung sich die Landwirte um das Wohl ihrer Tiere kümmerten. Der Schaible-Hof werde auf erstklassigem Niveau geführt. Das komme freilich nicht nur den Tieren zu Gute, erfuhr Fuchtel aus berufenem Munde, wenn sich Kühe wohl fühlen, geben sie mehr Milch.

Dass die Landwirte in seinem Wahlkreis mit 70 bis 120 Kühen lieber kleinere Betriebe führen, um eine artgerechtere Tierhaltung zu gewährleisten, sei unter den Aspekten des Tierschutzes zu begrüßen, verlange aber sehr hohe Anstrengungen. Auch die Kleinparzellierung der Ackerflächen im Schwarzwald sei im Vergleich zu anderen Regionen ein Hemmschuh. Gleichwohl dürfe man nicht verkennen, dass die Landwirtschaft im internationalen Wettbewerb stehe und einem Strukturwandel unterliege. Fuchtel: „Das ist in der Vergangenheit bewältigt worden.“

Fuchtel folgte der Argumentation, dass fairer Handel nicht nur für Afrika, Lateinamerika oder Asien gelten dürfe, sondern auch Produkte aus heimischen Betrieben einschließen sollte. Er begrüße sehr, dass das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (World Food) in dieser Richtung geprüft werde.

Sowohl wirtschaftliche Entwicklungen in China wie auch das Embargo Russlands für Produkte aus Westeuropa würden dazu beigetragen, dass die Absatzmärkte für deutsche Milch aktuell eingeschränkt seien.

Die EU stelle daher 420 Millionen Euro angesichts der schwierigen Marktlage für Milch- und Fleischerzeuger als Liquiditätshilfe zur Verfügung. Es gebe aus diesem Topf höhere Beihilfen für die private Lagerhaltung von Magermilchpulver, die zudem verlängert werden kann.

Die weiteren Aussichten für die Milchwirtschaft in Deutschland seien gar nicht so schlecht. Denn deutsche Bauern würden qualitativ hochwertige Produkte liefern und seien auf den internationalen Wettbewerb vorbereitet. Im ersten Halbjahr 2015 habe Deutschland mengenmäßig seine Ausfuhren von Milchprodukten in wichtigen Kategorien sogar steigern können. Vor diesem Hintergrund dürften die Landwirte „den Kopf nicht in den Sand stecken.“

Keine Hoffnung machte der Politiker allerdings, dass das Rad zur Milchquote zurückgedreht werden könnte, zumal die Landwirte ihrerseits vor Jahren die Aufhebung der Markregulierung gefordert hätten.[Druckversion]