05.10.2015

Zeit des Mauerfalls greifbar nahe

CDU-Feier zur Deutschen Einheit von persönlichen Erinnerungen geprägt / Fuchtel: Große Gästezahl macht Hoffnung

Zeit des Mauerfalls greifbar nahe Nach 25 Jahren würdigten unter anderem die Deutsche Wiedervereinigung (von links): Iris Follak, Wolfgang Lötzsch, Bernhard Grossmann, Bürgermeisterin Petra Schupp, Wolfgang Ehrmann und der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel bei der zentralen Gedenkfeier für den Nordschwarzwald in Neubulach.

Neubulach / Nordschwarzwald. Es passte alles am Samstag: Klaus Meines live gesungene Hymne der Wende „Wind of Change“ ebenso wie die persönlichen Erinnerungen von Bürgern aus Ost und West. Der CDU war trotz strahlend blauem Wochenend-Himmel auch 25 Jahre nach der Deutschen Einheit ein proppenvoller Bürgersaal gelungen. Schon zum 7. Mal wurde in Neubulach, diesmal sehr persönlich, die Initiative des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel mitten in seinem Wahlkreis Calw/Freudenstadt mit Leben erfüllt.

„Das wichtigste Ereignis der jüngeren deutschen Geschichte zu feiern“, ziehe selbst Gäste von weit her an, freute sich CDU-Vorsitzender Bernhard Grossmann. Und so war sie denn greifbar nahe, die Zeit nach dem Mauerfall. So nahe, dass selbst Mitglieder der Jungen Union kommentierten, die bislang schönste Feier zur Deutschen Einheit erlebt zu haben. Für Bürgermeisterin Petra Schupp ein gutes Zeichen, denn „es ist wichtig, seine Vergangenheit zu kennen.“ Weil man dann die richtigen Weichen für die Zukunft stelle.

Erst schwor Helmut Kohl wenige Jahre vor der Wende die jungen Abgeordneten im Bonner Kanzlerbungalow auf die Einheit ein, erinnerte sich Hans-Joachim Fuchtel, schon fand er sich auf Wunsch dieses Kanzlers mitten im brandenburgischen Wahlkampf wieder: „Das war eine besondere Herausforderung, die uns geprägt hat, aber: Wir haben gewonnen!“ Die Zahl der Mitfeiernden, sagte der CDU-Abgeordnete gebe Zuversicht.

Wegen Kontakte in den Westen und der Weigerung, in die SED einzutreten, wurden Talente wie Wolfgang Lötzsch an ihrer Karriere gehindert. „Ich galt als Sicherheitsrisiko“, sagte die Radsportlegende. Der Sport habe ihm sogar im Gefängnis über die Runden geholfen. Nach Öffnung der Mauer las er in seinen Stasi-Akten, dass 50 Spitzel auf ihn angesetzt waren, die tausende Seiten geschrieben haben. Heute engagiert sich der Chemnitzer für den Nachwuchs und die Gedenkstätte Kaßberg. In der früheren Haftanstalt saß er selber zehn Monate ein. 

Wolfgang Ehrmann machte sich „in den wilden Jahren nach der Wende“ auf den Weg nach Sachsen, um eine zweite Firma zu gründen. Für ihn hat sich das mehr als gelohnt. Heute produziert EIKKO in Burkhardtsdorf Dreh- und Frästeile in allen gängigen Materialien und Oberflächen. Seine 38 Mitarbeiter kommen ausschließlich aus Sachsen. „Ich habe gleich 1990 dort, wenn auch mit manchen Hürden, begonnen und an keinem Tag bereut", blickt der geschäftsführende Gesellschafter der EBB Beschlagtechnik in Nagold zurück. Pioniere wie Wolfgang Ehrmann haben in Fuchtels Augen den Menschen im Osten ihr Selbstbewusstsein zurückgegeben.

„Wer in den Fängen der Stasi war, kam nie wieder heraus“, schlug Iris Follak ein düsteres Kapitel ostdeutscher Vergangenheit auf. Die Menschen seien sogar im Urlaub auf der Hut gewesen. Hilfe aus dem Westen könne der Osten allerdings noch immer gebrauchen, so die gebürtige Sächsin, die nach der Wende acht Jahre Mitglied des Bundestages war: „Ich wünschte mir mehr solcher Ehrmanns, die Vertrauen in die Ostdeutschen haben.“

Für Pfarrer Hans Georg Schmid ist die deutsche Wiedervereinigung „ein Wunder Gottes“. Er hoffe, dass in den Köpfen der Menschen häufiger Mauern fallen. Denn „das macht Mut für die aktuellen Herausforderungen unserer Zeit“. Traditionell wurde die von allen als besonders gelungene Feier mit der Nationalhymne geschlossen, begleitet von Sängerin Nicole Bornkessel aus Böblingen und Klavierspielerin Violetta Walner aus Bad Teinach.

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