16.02.2016

Mit Maßanzügen gegen Arbeitslosigkeit

Arbeitsmarkt: Im Jobcenter Calw ist Fuchtels Erfahrung gefragt / Lehmann: Perspektiven durch Berufsabschluss schaffen

Mit Maßanzügen gegen ArbeitslosigkeitMachen sich Gedanken darüber, wie Langzeitarbeitslosigkeit durchbrochen werden kann (von links): Herbert Syring, Ayhan Kamil, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Martina Lehmann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, und Kurt Reich, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Nagold.

Nagold / Calw. Langzeitarbeitslose kämpfen an mehreren Fronten. Nur mit einer intensiven, ganzheitlichen Betreuung haben sie in der Regel überhaupt eine Chance, aus ihrem Problemfeld auszubrechen, sagt Martina Lehmann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel.

Der Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Calw/Freudenstadt nimmt sich an diesem Nachmittag viel Zeit, um möglichst umfangreich über die Integration langzeitarbeitsloser Menschen im Landkreis Calw informiert zu werden. Die kommt mit Hilfe eines neuen Projekts des Jobcenters Calw in Bewegung, für das es eine Million Euro aus dem Bundesprogramm des Europäischen Sozialfonds (ESF) gibt. „Das ist viel Geld“, sagt Hans-Joachim Fuchtel, deshalb muss es aus seiner Sicht auch viel bringen. Das Projekt soll auf jeden Fall dabei helfen, mit Langzeitarbeitslosen Perspektiven für ihre Zukunft zu erarbeiten. Umso mehr war der CDU-Politiker als Ideengeber für die Ausfüllung des Projekts mit Leben gefragt.

„Man spürt die Leidenschaft für den Arbeitsmarkt“, sagt Martina Lehmann später, „Ihre Erfahrungen und Tipps helfen uns sicher weiter.“ Herbert Syring, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters Calw, fasst derweil seine Begeisterung für das Gespräch in der Nagolder Agentur für Arbeit in diese Worte: „Sie leben Bürgernähe!“

Dabei weiß der CDU-Politiker nur zu gut: „Es ist kein leichter Job, den sich die Betreuer vorgenommen haben.“ Viele Langzeitarbeitslose seien längst in Lethargie verfallen, oft vereinsamt oder gar psychisch krank geworden. Häufig präge das Haustier noch den einzigen Bezug zur Außenwelt. In dieser Situation spiele Vertrauen eine wesentliche Rolle. „Die Langzeitarbeitslosen brauchen begleitende Unterstützung“, sagte Fuchtel. Vor allem aber bräuchten sie Hilfestellung, um aus ihrer Situation ausbrechen zu können. Manche hätten lange nicht mehr den Satz gehört: „Wir brauchen Dich!“ Bei vielen könnte vielleicht der Wiedereinstieg über die Vereinsarbeit oder soziale Projekte funktionieren.

„Man muss die Stärken und auch die Interessen der Langzeitarbeitslosen herausfinden und fördern“, pflichtete Martina Lehmann ihrem Gast bei. In der Durchleuchtung des persönlichen Umfelds sieht Herbert Syring einen wichtigen Aspekt, um Betroffene an die Hand zu nehmen. Das erfordere allerdings sehr viel Detailarbeit. Man habe sich sogar vorgenommen, die Bürgermeister in die Arbeit des Jobcenters stärker einzubinden.

Auch Betriebsakquisiteur Ayhan Kamil betonte, dass der Wiedereinstieg in das Berufsleben vor allem über intensive Gespräche mit den Betroffenen und deren Familien funktionieren könne: „Wir müssen die Menschen noch intensiver kennenlernen.“ Nur so ließen sich die Stärken finden, die man dem Arbeitgeber vermitteln könne.

Dass die Vorsitzende der Geschäftsführung vor allem auch diejenigen erreichen möchte, die noch keinen Berufsabschluss haben, ließ den Bundestagsabgeordneten aufhorchen. Denn die Zukunft der Berufsschulen im ländlichen Raum hänge von deren Frequentierung ab.

Für Martina Lehmann steht dabei fest: „Unsere Region braucht maßgeschneiderte Lösungen – keine Konfektionsware. Menschen ohne Berufsausbildung müssen wir schrittweise in Richtung Berufsabschluss führen. Das ist der beste Schutz vor Langzeitarbeitslosigkeit“.

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