17.02.2016

4. Juli Beginn der Produktion

Wiederaufbau: Fuchtel auf Großbaustelle / Pfalzgraf-Geschäftsführer Dirk Brünz beschreibt Herkulesaufgabe / Erfahrungen festhalten

Fuchtel auf Großbaustelle Besuch auf der Großbaustelle der Pfalzgraf Konditorei in Pfalzgrafenweiler (von links): der geschäftsführende Gesellschafter Dirk Brünz, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Betriebsleiter Otto Zimmermann.

Pfalzgrafenweiler. Das Ziel ist ehrgeizig und doch bleibt Dirk Brünz gar keine Wahl, als die Produktion so früh wie möglich wieder hochzufahren. „Am 4. Juli produzieren wir hier schon Donauwellen, das ist unser Plan“, gab sich der geschäftsführende Gesellschafter der Pfalzgraf Konditorei beim Vor-Ort-Termin mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel optimistisch.

 Der CDU-Bundestagsabgeordnete hatte den Unternehmer in Pfalzgrafenweiler aufgesucht, um sich nach dem Stand des Wiederaufbaus nach einer der größten Brandkatastrophen in Baden-Württemberg in den letzten 40 Jahren zu erkundigen: „Es gehört auch zu den Aufgaben eines Abgeordneten, zu erfahren, wie das Zusammenwirken aller beteiligten Stellen in einer solchen Ausnahmesituation funktioniert und wie es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeht.“ Fuchtel empfahl, dieses so strapaziös und zwangsläufig erworbene Wissen aus dem Krisenmanagement festzuhalten, um eines Tages vielleicht anderen Unternehmen in der Not noch effektiver beim Wiederaufbau helfen zu können.

„In der Tat - ich könnte ein Buch darüber schreiben“, sagte Dirk Brünz, „was ich die letzten acht Monate so alles erlebt habe.“ Dazu gehörten sowohl angenehme Augenblicke als auch unangenehme. Was ihn besonders motiviere, sei die Unterstützung durch befreundete Unternehmer sowie das Engagement seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Unser Team ist unschlagbar!“ Keiner sei sich zu schade mitzuhelfen – egal bei welcher Aufgabe, ob zum Beispiel im Baubüro oder bei der Überwachung der Baustelle. In der Not habe sich gezeigt, dass der Mitarbeiterstamm die eigentliche Perle des Unternehmens sei.

Dennoch habe er sich schweren Herzens von 90 trennen müssen, „denn wir fangen wieder bei null an.“ Brünz: „Das hat alle sehr hart getroffen, nicht nur mich, sondern unsere ganze Familie“, auch wenn man sozial verträgliche Lösungen mit den Versicherungen habe aushandeln können. Doch eine Reduzierung der früheren Kapazitäten um 60 Prozent sei für die Startphase durchaus realistisch. Statt bislang vier Produktionslinien werde man zunächst mit zwei loslegen.

 

4. Juli Beginn der ProduktionAus der Vogelperspektive: die Großbaustelle der Pfalzgraf Konditorei in Pfalzgrafenweiler, auf der zurzeit die Arbeiten auf Hochtouren laufen. Foto: Boll und Partner

 

Von großem Vertrauen auf beiden Seiten geprägt sei die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt. Dadurch sei man sogar besser als im Zeitplan. „Eine solche Schnelligkeit beim Wiederaufbau hat selbst unsere Versicherungen überrascht!“ Statt 25 Monate werde man nicht einmal die Hälfte der Zeit benötigen. Daran hätten vor allem die Handwerker ihren Anteil. Sie würden sieben Tage die Woche je 16 Stunden arbeiten.

Was er jedem Unternehmer unbedingt rate, sei der Abschluss einer Versicherung für eine Betriebsunterbrechung. „Ohne die gäbe es die Pfalzgraf Konditorei heute nicht mehr!“, stellte Brünz unmissverständlich klar.

Es habe für Pfalzgraf keinen Vorgang gegeben, an dem entlang man hätte arbeiten können: „Wir haben ein kleines Krisenteam um mich und Betriebsleiter Otto Zimmermann gebildet, denn die vielen Aufgaben müssen verteilt werden“, so der Unternehmer. „Die Schadensabwicklung wird mich mindestens noch drei Jahre beschäftigen“, schätzte er vorsichtig. „Auch für mich brannte es früher immer woanders“, heute sehe er solche Katastrophen mit ganz anderen Augen. „Wir hatten nicht mal mehr einen Schneebesen“, pflichtete ihm Otto Zimmermann bei.

„Genau deshalb brauchen wir Ihre Erfahrungen“, sagte Hans-Joachim Fuchtel abschließend. Da gehe es letztendlich um so wichtige Fragen, wie der Wiederaufbau-Prozess ins Laufen kommt. Auch für beteiligte Verwaltungen sei das von Wert. 

Wenn die Produktion im Juli wieder anläuft, wird es genau ein Jahr her sein, dass die Pfalzgraf Konditorei ihre letzten Produkte aus eigener Herstellung, die noch in Stuttgart gelagert waren, verkauft hat. Die Brandkatastrophe im Mai 2015 hatte die komplette Produktion zerstört. Derzeit hilft neben fünf weiteren Produktionsbetrieben sogar der größte Wettbewerber mit, damit die Marke Pfalzgraf nicht untergeht.

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