09.03.2016

Mit neuen Wegen in Berufe kommen

Flüchtlingshilfe: Staatssekretär Fuchtel greift Strategiespiel auf / Test in Empfingen / Schnelle Berufsorientierung für junge Syrer

Mit neuen Wegen in Berufe kommenSchauten den syrischen Flüchtlingen beim Strategiespiel in Empfingen über die Schulter: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (links) sowie stehend von links CDU-Landtagsabgeordneter Norbert Beck, Strategieberater Peter Käpernick und Gabriele Reich vom Arbeitskreis Asyl. Mit am Tisch: Moderatorin Angelika Stockinger von der Offensive Mittelstand Baden-Württemberg.

Empfingen. Mit einem Strategiespiel lernen anerkannte Flüchtlinge in Empfingen, ihre beruflichen Stärken und Wünsche zu entdecken. Der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel lässt das Pilotprojekt deutschlandweit erstmals in seinem Wahlkreis testen. Es soll vor allem jungen Migranten im Sinne einer schnellen Berufsorientierung in Deutschland helfen.

Entdeckt hatte der Bundestagsabgeordnete das Würfelspiel bei Strategieberater Peter Käpernick, Initiator des StrategieCentrums Oberrhein in Emmendingen. Der Diplom-Ingenieur hat „Abenteuer Positionierung“ ursprünglich für Unternehmerinnen und Unternehmer entwickelt, die sich selbstständig machen wollen. Es wurde eigens für die Pilotrunde in Empfingen auf die Bedürfnisse und den eingeschränkten deutschen Wortschatz der Flüchtlinge zugeschnitten.

In Kooperation mit Angelika Stockinger von der Offensive Mittelstand Baden-Württemberg übernahm Peter Käpernick auch persönlich die Moderation in Empfingen. Das Ergebnis des Empfinger Versuchs ermutige, dieses Projekt voranzutreiben, beurteilten der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel und sein Kollege im Landtag, Norbert Beck, nach drei Stunden Praxis.

Die Berufserfahrung der jungen Flüchtlinge reichte vom Elektrikerhandwerk bis zum Apotheker. Auf Deutsch – gelernt am Horber Hermann Hesse Kolleg – berichtete jeder von ihnen von seinen Erfahrungen, Wünschen und Zielen. Dazu gehörte für einige auch die Überlegung, nach Kriegsende mit der in Europa gesammelten Erfahrung für den Wiederaufbau in die Heimat zurückzukehren. 

Wenn man diese Form der Annäherung an einen Beruf in Deutschland künftig auf dem Mobiltelefon spielerisch gestalten würde, könnte sich die Wirkung vervielfältigen.

Angenehmer Nebeneffekt: Der Empfinger Albrecht Reich berichtete, dass beim gemeinsamen Spiel um Entwicklung und Integration bereits Freundschaften entstanden seien wie auch handfeste Gründerideen. „Hürden lassen sich spielerisch viel schneller beseitigen“, pflichtete ihm Gabriele Reich bei. Ganz entscheidend trage auch der regelmäßige Deutschunterricht dazu bei.

Ob Autodesign, Fußballtrainer, Tablettenabfüllanlage oder Softwareentwicklung für Flugobjekte: Das Strategiespiel in Empfingen zeigt, dass junge Menschen, wenn sie erst Mal dem Kriegsdrama entflohen sind, durchaus wieder von einer beruflichen Zukunft träumen können. Das, sagte der Landtagsabgeordnete Norbert Beck, sei allemal besser, als zum Nichtstun verdonnert zu sein.[Druckversion]