07.04.2016

Vom Flüchtling zum Flüchtlingshelfer

Integration: Staatssekretär Fuchtel trifft Patrus Lazar bei Sprechstunde für Syrer / Respekt für Einsatz der Arbeitskreise

Vom Flüchtling zum Flüchtlingshelfer Über die Flüchtlingssituation sprach in Eutingen der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (rechts) mit Patrus Lazar.

Eutingen. Normalerweise lädt der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel Bürgerinnen und Bürger in seine Sprechstunde ein. Diesmal trifft der Bundestagsabgeordnete im Eutinger Rathaus auf Patrus Lazar, der montags und donnerstags Flüchtlingen im Auftrag der Gemeinde hilft, sich hierzulande zurechtzufinden. 

Lazar ist selber vor 40 Jahren aus dem Irak nach Deutschland geflohen und im Gäu sesshaft geworden. „Die Familie ist gut integriert“, sagt Bürgermeister Armin Jöchle, ein Sohn sei sogar in den Gemeinderat gewählt worden. Da der Iraker sehr gut Arabisch spricht, lag es auf der Hand, ihn seitens der Gemeinde als Dolmetscher zu verpflichten. Der Rathauschef ist froh, dass er nun auch als Flüchtlingskoordinator auf Stundenbasis im Rathaus mitarbeitet. „Wir kümmern uns sehr intensiv um die Flüchtlinge in unserer Gemeinde“, meint Bürgermeister Armin Jöchle, was sicher mit ein Grund dafür sei, dass sie „von unseren Einwohnern größtenteils akzeptiert werden.“

Von Patrus Lazar erfährt Hans-Joachim Fuchtel viel über Fluchtursachen, Herkunft und Integrationsmöglichkeiten. In Eutingen leben nur syrische Flüchtlinge. „In Syrien ist fast überall Krieg“, hat Lazar erfahren. „Alle sind sehr fleißig und strengen sich beim Deutschlernen an“, beurteilt er seine Schützlinge, von denen gut die Hälfte Akademiker sind. „Eine meiner größten Sorgen ist“, verrät Lazar, „dass sie später womöglich nicht mehr nach Syrien zurückwollen.“ Das wiederum würde jedoch ein Ausbluten ihrer alten Heimat bedeuten.

Im Nahen Osten hätten Christen und Islamgläubige in gutem Einvernehmen gelebt, gibt Patrus Lazar eine weitere Erfahrung weiter, bis Fanatiker Keile zwischen die Religionsgruppen getrieben hätten. Eindeutig hätten sich alle von den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht distanziert.

„Ich bin sehr dankbar, dass jemand die Flüchtlingshilfe in die Hand nimmt, der die Mentalität der Menschen kennt“, betont Fuchtel, der zugleich danach fragt, ob es nicht möglich sei, weitere Helferinnen und Helfer mit Migrationshintergrund, die in der Region Fuß gefasst haben, zu motivieren. „Wir müssen diese Ressourcen finden und nutzen“ sagt der Abgeordnete, denn so gelinge die Integration weit besser. Es sei auch enorm, was die Mitglieder in den Asylarbeitskreisen für die Flüchtlinge und die Gesellschaft leisteten, so der CDU-Politiker, der allen Helferinnen und Helfern ausdrücklich für ihre ehrenamtliche Arbeit dankt. 

„Es sei unbedingt notwendig“, sagt Fuchtel, „an Lösungen für ein friedliches Miteinander in den Herkunftsländern mitzuarbeiten.“ So sehe das auch die Bundesregierung. Auf jeden Fall aber müsse massiv dagegen angegangen werden, wenn Flüchtlinge hierzulande Glaubenskriege ausfechten oder falsche Frauenbilder propagieren. „Wer Integrationswillen zeigt und Verfolgung ausgesetzt ist, hat die besten Chancen, bei uns bleiben zu können“, stellt Fuchtel unmissverständlich klar. Antragsteller aus sicheren Herkunftsländern müssten jedoch auf direktem Weg nach Hause geschickt werden. Diese Menschen bräuchten allerdings Perspektiven in ihrer Heimat. Daran müsse mit aller Kraft gearbeitet werden.

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