29.04.2016

Günther Groß bleibt unvergessen

Partnerschaft: Universität Lwiw würdigt den verstorbenen Kreisforstamtsleiter / Fuchtel mit Delegation in Ukraine

Günther Groß bleibt unvergessen Besuch bei der Universität im ukrainischen Lwiw: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (vordere Reihe, links) und Waldbau-Dozent Vasyl Lavnyy (Dritter von links), umringt von Professoren und Teilnehmern der Delegation aus Deutschland. Foto: BMZ

Freudenstadt / Lwiw. „Den Forstfachleuten im Kreis Freudenstadt müssen die Ohren geklingelt haben!“ So lautet der Kommentar des Parlamentarischen Staatssekretärs und hiesigen Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel nach seinem Besuch bei der Forstlichen Fakultät der Iwan-Franko-Universität im früheren Lemberg (heute Lwiw). Die 33 vollzählig erschienenen Professoren nahmen den Besuch des Regierungsvertreters mit einer 40-köpfigen Delegation in der Ukraine zum Anlass, des 2008 verstorbenen Forstdirektors Günther Groß zu gedenken.

 Als Leiter des Kreisforstamts Freudenstadt hatte er ab 2002 auf einen regelmäßigen Austausch seiner Behörde mit der Universität hingewirkt. Sein Partner auf ukrainischer Seite, der Waldbau-Dozent Professor Dr. Vasyl Lavnyy, ließ vor großem Auditorium nochmals die Stationen der Zusammenarbeit Revue passieren. Um schließlich zusammenzufassen, dass man eine Initiative ergriffen habe, die heute noch viele positive Wirkungen zeige.

Anlässlich seines dienstlichen Aufenthaltes, begleitet von Vertretern verschiedenster Fachdisziplinen und Spezialisten, hatte Fuchtel die Gelegenheit wahrgenommen, nach einer vielbeachteten Konferenz im Lwiw der Forstlichen Fakultät einen Besuch abzustatten. Seit 2004 finden in Zusammenarbeit mit der 1661 gegründeten Universität Exkursionen baden-württembergischer Forstfachleute in die Waldkarpaten statt. Im Gegenzug unternehmen seit 2007 Studenten aus der Ukraine jedes Jahr Exkursionen nach Freudenstadt, wie auch der frühere Kreisforstoberamtsrat Friedrich Haug zu berichten weiß, der sich vehement für die jeweilige Ausgestaltung des Projektes einsetzt.

Die Professoren bestätigten, dass die ukrainischen Studenten auf diese Weise einen ganz besonders guten Einblick von der naturnahen Waldwirtschaft erhalten. Sie würden viel über neue Erschließungs- und Nutzungskonzepte in Theorie und Praxis lernen, Einblicke in die Organisation der Forstwirtschaft erhalten, die Säge- und Holzindustrie, die moderne Forsttechnik sowie die forstliche Betreuung von Kommunal- und Privatwald kennenlernen. Ergänzt werde dieses Wissen durch Informationen zu Natur-, Umwelt- und Wasserschutz, zur Jagd sowie zur Forstpolitik aus westeuropäischer Sicht.

Seit 2012 absolvieren jährlich zwei Studenten ein vierwöchiges Praktikum in Freudenstadt. Dabei werden sie in die tägliche Arbeit des Kreisforstamtes mit seinen über 50.000 Hektar Wald und über 30 Forstrevieren eingebunden.

„Es ist allen Teilnehmern dieser Begegnung bewusst geworden, welch hohen Stellenwert die Aktivitäten des Kreisforstamtes aus Sicht der ukrainischen Fachleute haben“, betonte Fuchtel. Die Absolventen hätten bis ins Detail über die einzelnen Forstämter und die dazugehörigen Gemeinden Bescheid gewusst. Die Partnerschaft zwischen Kreisforstamt und ukrainischer Universität sei ein Vorzeigeprojekt, das bislang eher im Stillen gewirkt habe. Umso mehr danke er, so Fuchtel, all denen, die sich kontinuierlich dieser Zusammenarbeit widmen. Das habe großes Vertrauen geschaffen. Man könne nur wünschen, dass das Projekt noch viele Nachahmer finde.

In seiner Eigenschaft als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gab Fuchtel der versammelten Fachwelt einen Überblick über die Ergebnisse des Klimagipfels in Paris und die sich daraus ergebenden Aufgaben: „Sie betreffen alle, sowohl in Europa als auch in anderen Erdteilen. Denn es geht darum, den Kohlendioxid-Ausstoß wesentlich zu reduzieren.“ Beim Binden von CO2 sei der Umgang mit dem Wald natürlich ein vorrangiges Thema.

 


 

INFORMATION

Der nächste Besuch ukrainischer Studenten der Universität Lwiw in Freudenstadt ist vom 25. Juli bis 06. August 2016 geplant. Vorgesehen ist eine Erweiterung der Kooperation um eine Partnerschaft zwischen der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg und der Universität Lwiw. Im September 2016 ist die feierliche Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde in Lwiw vorgesehen.

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