03.05.2016

Schömberg schaut nach vorne

Vor Ort: Staatssekretär Fuchtel informiert sich / Gespräch bei Bürgermeister Leyn über Zukunft der Gemeinde

Schömberg schaut nach vorne Die Zukunft Schömbergs fest im Blick: Bürgermeister Matthias Leyn (links) und der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel bei ihrem Arbeitsgespräch im Rathaus der Gemeinde.

Schömberg. Die touristische Ausrichtung Schömbergs und die Breitbandversorgung der Gemeinde standen im Mittelpunkt eines ausführlichen Arbeitsgesprächs zwischen Bürgermeister Matthias Leyn und dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel.

„Wir müssen natürlich zuerst unseren Haushalt wieder auf Vordermann bringen und können nach dem Kassensturz die Frage beantworten, wo wir hinwollen“, betonte der Rathauschef. Allerdings stelle der Arbeitskreis des Gemeinderats bereits intensiv ein Konzept auf die Beine, das auch die Hotellerie und Gastronomie, den Einzelhandel sowie die Kliniken und Reha-Einrichtungen einbinden soll. „Denn wir wollen nach vorne sehen“, sagte Leyn.

Eine „sehr gute Idee“ fand der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel den Klinik-Stammtisch, denn immerhin stellten diese Häuser 600 Arbeitsplätze in der Gemeinde. Gut sei, dass man in Schömberg diese Branche nicht vernachlässige. Andernorts werde oft unterschätzt, welche Wirtschaftskraft vom Klinikwesen ausgehe. „Die Arbeit der Kliniken in Schömberg ist von hoher Qualität geprägt. Das muss mit guten Rahmenbedingungen begleitet werden", so Fuchtel.

Einig waren sich die Gesprächspartner, dass der Rückgang der Hotelangebote für die touristische Entwicklung der Glücksgemeinde neue Kraftanstrengungen koste. Die Bevölkerung sei sehr ideenreich, so der Rathauschef, auch sei eine bessere Anbindung an die Pforzheimer Angebote in der Diskussion. Schömberg wolle auf jeden Fall weiterhin am Tourismus partizipieren, wofür aber besondere Highlights gefragt seien. „Wir suchen Anknüpfungspunkte wie in unserer Nachbarschaft“, sagte Leyn. In Bad Wildbad habe sich der Baumwipfelpfad innerhalb kürzester Zeit zum Besuchermagneten entwickelt.

Gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten ging der Bürgermeister deshalb der Frage nach, wie ein Schömberger Paket für den Gast aussehen könnte. Fuchtel riet, das Thema Hermann Hesse mit Leben zu erfüllen. „Das darf sich nicht nur auf Calw beschränken“, sondern eigne sich durchaus für die ganze Region. Außerdem werde in Schömberg nach wie vor das Grab des Tagore-Enkels Nitindra Nuth Gunguly gepflegt, das ein „Mosaiksteinchen“ im Schömberger Portfolio sei. In Asien werde der berühmte bengalische Philosoph und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore noch immer hoch verehrt.

Einen außergewöhnlichen und nachhaltigen Stellenwert könnte sich Schömberg als Fair-Trade-Gemeinde mit relativ wenig Aufwand sichern, betonte Fuchtel. „Es kostet so gut wie nichts, einen Antrag zu stellen, fair gehandelte Produkte in öffentlichen Einrichtungen anzubieten und damit auch noch den Kleinbauern in den Herkunftsländern etwas Gutes zu tun.“ Das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), in dem Fuchtel als Parlamentarischer Staatssekretär aktiv ist, unterstütze derartige Ideen und vermittle auch entsprechende Partnerschaften.

330 Orte in Deutschland, darunter auch welche im Nordschwarzwald, seien bereits Fair-Trade-Kommunen. Bürgermeister Leyn, den Fuchtel in die Riege der „innovativen Rathauschefs“ einreihte, gefiel dieser Gedanke außerordentlich gut.

Hoffnung machte der Abgeordnete dem Rathauschef, dass bald auch Bewegung in die Breitbandversorgung kommt, die in Schömberg „im Argen liegt“, wie Matthias Leyn erläuterte. Der Bund habe für die Weiterentwicklung der Datenautobahnen ein milliardenschweres Programm aufgelegt, von dem auch der Kreis Calw profitieren könne. Eine erste Planungsrate von 50.000 Euro sei bereits überwiesen und ermögliche konkrete Planungen im Landratsamt.

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