20.05.2016

Wie Integration gelingen kann

Handwerk: Staatssekretär Fuchtel informiert sich beim Familienbetrieb Zillinger / Arbeitsplatz für Flüchtling

Wie Integration gelingen kann Über die Zukunft des Handwerks diskutierten in Schömberg (von links): Bürgermeister Matthias Leyn, Maler- und Lackierermeister Rainer Zillinger und der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel.

Schömberg. Wenn es um die Integration von Menschen anderer Nationalitäten am Arbeitsplatz geht, hat Rainer Zillinger keine Berührungsängste. „Auf Dauer kommen wir nicht drum herum, auf die Arbeitskraft von Flüchtlingen zu verzichten“, sagt der Maler- und Lackierermeister in Schömberg dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, als dieser seinen Betrieb in der Liebenzeller Straße besucht, um sich über die Situation im Handwerk zu informieren.

Dabei ist die Beschäftigung von Arbeitskräften mit ausländischen Wurzeln im Prinzip gar keine neue Erfahrung für deutsche Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen, sagt Zillinger. Seit Jahren schon zählt Giuseppe Bellitto beispielswiese wie selbstverständlich zum Stammpersonal des Familienbetriebes. „Der Josef ist einer von uns!“ unterstreicht denn auch Dirk Rembold, der Stellvertreter des Chefs, dass sein Kollege aus Italien seine Arbeit wie jeder andere auch mache.

Auch für Uta Zillinger-Schönhardt, die ihren Bruder tatkräftig in der Führung des Geschäfts unterstützt, ist Integration nur eine Frage des Wollens. Als Rainer Zillinger händeringend nach einem weiteren Mitarbeiter für seine voll ausgelastete 15-köpfige Truppe suchte, da nahm er gerne das Angebot an, einen Flüchtling zu beschäftigen. Der hat einen vorläufigen Arbeitsplatz in Deutschland gefunden, was beiden Seiten hilft. Dem Handwerksbetrieb, der keinen Facharbeiter finden konnte, und seinem neuen Mitarbeiter, der in der fernen Heimat bereits das Malerhandwerk ausgeübt hat und sich auf diese Weise in Deutschland selber versorgen kann.

„Als er zum Probearbeiten zu uns kam, da waren wir bereits wahnsinnig zufrieden mit ihm“, sagt Rainer Zillinger, der sich auch darüber freut, mit welcher Begeisterung und Geschwindigkeit der neue Mitarbeiter Deutsch lernt. „Und integriert hat er sich ebenfalls von Anfang an!“ Froh ist er auch darüber, dass der junge Mann von den anderen voll akzeptiert wird. Das täusche jedoch nicht über die Tatsache hinweg, dass auch innerhalb seiner Belegschaft Zukunftsängste artikuliert werden.

Der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel hört solche positiven Erfahrungsberichte gern. Wenn Integration am Arbeitsplatz gelinge, dann gehe das allerdings auch auf den Arbeitgeber und seine Beschäftigten zurück.

Seit 1898 verbinde das Malergeschäft seiner Familie Tradition und Moderne, sagt Rainer Zillinger. Dazu gehöre auch, anderen Nationalitäten eine Chance zu geben. Als sein Urgroßvater den Grundstein für den Handwerksbetrieb legte, da konnte er freilichlich noch nicht erahnen, dass eines Tages die vierte Generation auf „Hilfe aus der Fremde“ angewiesen sein würde.

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