08.06.2016

Region braucht stationäres Hospiz

Sterbebegleitung: Konferenz spiegelt Bedeutung der Initiative wider / Bessere Möglichkeiten durch neue Gesetzgebung / Veranstaltung der Adenauer-Stiftung / Als nächstes Finanzierungskonzept

Region braucht stationäres Hospiz Über ein stationäres Hospiz für die Region diskutierten auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Nagold (von links): Michael Ziegler, Tobias Bär, Barbara Fischer, Hansjörg Hummel, Bärbel Leiser, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Regina Dvorak-Vucetic und Dr. Dietmar Beck.

Nagold / Horb / Freudenstadt. Der Appell von allen Seiten war eindeutig: Der weiße Fleck auf der Karte muss verschwinden! Die Region braucht ein stationäres Hospiz, waren sich die über 80 Fachleute und interessierten Bürger aus den Kreisen Calw und Freudenstadt einig, die sich auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Nagold trafen. Auch die dritte Pflegekonferenz im Nordschwarzwald geht auf eine Idee des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel zurück.

Die Veranstaltung, bei der Fachleute wie Pflegedienstleiterin Bärbel Leiser von der Diakoniestation Schopfloch oder Barbara Fischer, Vorsitzende der Initiative Stationäres Hospiz Region Nagold, aus der Praxis berichteten, demonstrierte eindrucksvoll die Bedeutung der Pflege und der Sterbebegleitung in ambulanter wie stationärer Weise. Norbert Beck begrüßte als Schirmherr des Hospizvereins Landkreis Freudenstadt, dass die Zeit des zielstrebigen Handelns angebrochen sei. Die Konferenz bringe mehr Klärung. Ein stationäres Hospiz in Nagold soll auch die Räume Rottenburg, Horb und Freudenstadt mitversorgen.

Regina Dvorak-Vucetic, Stuttgarter Repräsentantin der Konrad-Adenauer-Stiftung, bedankte sich bei Fuchtel für die Anregung der dreiteiligen Konferenzserie, für die der Bundestagsabgeordnete die Schirmherrschaft übernommen hatte. Die Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes spiegele die Wichtigkeit und Bandbreite wider. Vor allem im ländlichen Raum sei eine Verbesserung der palliativen Versorgung erstrebenswert. Mit der Konferenz-Trilogie sei außerdem der Grundstein für eine bessere Vernetzung der Akteure gelegt worden.

„Es geht um die Würde des Menschen“, hob Fuchtel hervor, der die Podiumsdiskussion im Nagolder CJD-Haus moderierte. Dazu gehöre vor allem der Umgang mit Menschen am Ende ihrer letzten Lebensphase. Er wolle die Umsetzung der neuen Gesetzgebung, die den Betroffenen bessere Möglichkeiten eröffne, „hautnah begleiten“. Der Ideengeber hofft, dass die Veranstaltungsreihe eine bundesweite Bewegung in Gang setzt. „Mir als Abgeordnetem ist es wichtig, dass ein Hospiz zum Wohl der Menschen entsteht.“

Der Sprecher der Landesvertretung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) gab einen Überblick über die Konzeption zur Umsetzung von Palliativmedizin und Sterbebegleitung im ländlichen Raum. Dr. Dietmar Beck sprach im Hinblick auf die konzeptionelle Vorarbeit von einem „lernenden System“. Er plädierte für eine Art Masterplan, in den die einzelnen Akteure eingebunden werden. Das neue Hospiz- und Palliativgesetz sorge für eine Verbesserung der Situation und mehr Lebensqualität.

Hansjörg Hummel, Vorsitzender des Kreisseniorenrats Calw, begrüßte die nun systematischer betriebene Debatte um die ambulante und stationäre Versorgung am Lebensende.  „Für uns ist wichtig, dass die Weiterversorgung der Patienten über den Krankenhausaufenthalt hinaus gewährleistet ist“, machte Michael Ziegler, Pflegedienstleiter im Kreisklinikum Calw-Nagold, deutlich.

Barbara Fischer berichtete, dass der Verein als nächsten Schritt das Finanzierungskonzept erarbeite. Für die Baukosten und den jährlichen Abmangel brauche man verbindliche Zusagen. Tobias Bär, Leiter des Hospizes in Biberach, bestätigte, dass der Abmangel zwar das größte Sorgenkind einer solchen Einrichtung sei. Allerdings erfahre die St. Elisabeth-Stiftung, die auch das Hospiz in Nagold leiten soll, großzügige Unterstützung durch die öffentliche Hand. Kreisrat Dr. Clemens Götz erinnerte daran, dass die Krankenkassen von einem solchen Palliativ-Modell profitierten. Vor allem die kirchlichen Träger gingen dankenswerterweise in Vorleistung.

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