19.07.2016

Menschen vor Ort helfen

Entwicklungspolitik: Jeder kann Beitrag leisten / Fuchtel diskutiert mit 120 Wirtschaftsgymnasiasten / Global Studies aus erster Hand

Menschen vor Ort helfenDie Begegnung mit der Politik an der Freudenstädter Eduard-Spranger-Schule hatten möglich gemacht (von links): Laura Alber von Engagement Global, JU-Kreisvorsitzender Patrick Speiser, Global Studies-Kursleiterin Ivonne Sonnenschein, Schulleiter Armin Wüstner und der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel.

Freudenstadt. Sich für die Menschen vor Ort einzusetzen, ist die wirkungsvollste Art von Entwicklungspolitik. Dazu kann jeder seinen Beitrag leisten, sagt Hans-Joachim Fuchtel, auch wenn er Schüler ist. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) diskutierte mit 120 Jugendlichen an der Eduard-Spranger-Schule.

„Global Studies“ nennt sich ein Kurs am Freudenstädter Wirtschaftsgymnasium, in dem sich junge Leute mit internationalen Wirtschaftsthemen auseinandersetzen. Umso diskussionsfreudiger zeigten sich die Gymnasiasten im Gespräch mit dem Parlamentarier, der auch kritischen Fragen nicht aus dem Weg ging. Eifrig nutzten die Schülerinnen und Schüler nach dem Vortrag die Möglichkeit, ein Mitglied der Bundesregierung live nach seiner Einschätzung zu den Folgen des Brexit oder des Freihandelsabkommen TTIP zu befragen. Wann greift das Asylrecht und wie ist angesichts der Aktivitäten des Islamischen Staates momentan die Sicherheitslage in Europa, wollten sie von dem CDU-Politiker wissen.

Der Schüler Patrick Speiser hatte den Kontakt zwischen dem hiesigen Bundestagsabgeordneten sowie seinem Gymnasium bei einer Abgeordnetensprechstunde vermittelt. Für Fuchtel ist der Praxisbezug nach wie vor eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Einwicklung junger Menschen. „Duale Ausbildung können wir besser als die Chinesen“, stellte der Politiker klar. Bei seinen Zuhörern warb der Staatssekretär auch für Auslandsaufenthalte. In der Entwicklungszusammenarbeit könne man gut internationale Erfahrungen sammeln. Auch gebe es dort hoch interessante Berufschancen.

An Hand des Textilbündnisses zeigte er auf, wie sich die aktuelle Entwicklungspolitik an nachhaltigen Lieferketten orientiert. In Bangladesch hatten katastrophale Arbeitsbedingungen zum Einsturz einer Textilfabrik geführt. Das BMZ reagierte als eine der Maßnahmen mit der kostenlosen Handy-App „Siegelklarheit“. Mit ihr lassen sich viele Textilprodukte auf Nachhaltigkeitsfaktoren prüfen.

Verbraucher in Deutschland nutzen sie als Orientierung, wenn es um Glaubwürdigkeit, Umweltfreundlichkeit und Sozialverträglichkeit geht. Inzwischen sind viele deutsche Unternehmen gelistet. „Wenn Ihr also die App auf eurem Smartphone nutzt und das bei eurer Kaufentscheidung berücksichtigt, habt Ihr schon etwas für die Menschen in den Produktionsländern getan“, legte Fuchtel seinen jungen Zuhörern ans Herz, bei der Bekämpfung von Missständen mitzuwirken.

Die Themenvielfalt in der Gesprächsrunde war groß: Ja, das BMZ nutze verstärkt die modernen IT-Technologien, um Wertschöpfungsprozesse zu gestalten und damit Veränderungen zu bewirken. Und: Wenn Daten öffentlicher werden, könne auch die Korruption besser bekämpft werden.

„Neue Entwicklungen brauchen neue Antworten“, sagte Fuchtel. Das gelte auch für die Flüchtlingspolitik. Wer in seiner Heimat tatsächlich verfolgt werde, dem müsse geholfen werden. Doch sei es allemal besser, jungen Menschen in wirtschaftlicher Not Bildung und Ausbildung in ihrer Heimat zu beschaffen. Fuchtel: „Entweder wir kommen zu den Problemen oder die Probleme kommen zu uns!“

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