23.11.2011

Fuchtel: Zukunftsweisendes Modell

Familienpflegezeit ist ein Meilenstein / Staatssekretär appelliert an Unternehmen der Region zur Teilnahme


Calw / Freudenstadt. Die vom Bundestag beschlossene Familienpflegezeit ist in den Augen des CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel eine „moderne Antwort auf die Herausforderungen des demografischen Wandels“. Der christlich-liberalen Regierungskoalition sei es gelungen, ein „zukunftsweisendes Modell zu entwickeln, von dem alle profitieren und das nicht mit Milliardenkosten zu Lasten unserer Kinder geht“. Der Parlamentarische Staatssekretär appelliert deshalb an die Unternehmen im Nordschwarzwald, sich daran zu beteiligen.

Das neue Gesetz sei „ein erster Meilenstein hin zu einer besseren Vereinbarkeit von familiärer Pflege und Beruf“, so Fuchtel. Die Familienpflegezeit sieht vor, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden reduzieren können, wenn sie einen Angehörigen pflegen. In dieser Phase wird das reduzierte Gehalt um die Hälfte des Unterschiedsbetrags zum ursprünglichen Gehalt aufgestockt. In der Nachpflegephase muss der Pflegende seine Arbeitsstunden wieder aufstocken, erhält aber solange das niedrigere Gehalt, bis sein „Arbeitskonto“ ausgeglichen ist.

Der Arbeitgeber beantragt dann die Refinanzierung beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Nach der Pflegephase behält der Arbeitgeber einen Teil vom Lohn ein und zahlt diesen an das Bundesamt zurück. Das Modell habe auch das Problem der Altersarmut im Blick, betont Fuchtel. „Gemeinsam mit den Leistungen der Pflegeversicherung halten pflegende Angehörige trotz Reduzierung der Arbeitszeit ihre Rentenansprüche etwa auf dem Niveau der Vollzeitbeschäftigung“, so der Politiker. Personen mit geringem Einkommen würden sogar besser gestellt.

Zahlreiche Unternehmen haben ihre Teilnahme an der Familienpflegezeit angekündigt, so die Post, die Telekom, Airbus, Continental und Roche Diagnostics. Der Bundestagsabgeordnete ruft deshalb die Arbeitgeber in der Region dazu auf: „Nutzen Sie das Modell auch aus eigenem wirtschaftlichen Interesse.“ Denn es sei kostengünstiger, als gut ausgebildete Mitarbeiter gehen lassen zu müssen.

Der Bedarf einer besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist hoch: Von den 2,38 Millionen Menschen in Deutschland, die Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen, werden mehr als 1,6 Millionen zu Hause versorgt – durch Angehörige und ambulante Dienste. 76 Prozent der Berufstätigen möchten ihre Angehörigen so weit wie möglich selbst betreuen. „Diesem Wunsch entspricht das Gesetz zur Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Pflege“, so Fuchtel.

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