27.09.2016

Wald-Lehrstunde für den Botschafter

Diplomatenbesuch: Ramón Custodio Espinoza reist mit wichtigen Erkenntnissen nach Berlin zurück / „Fuchtel ein Mann der Tat“

Baiersbronn-Klosterreichenbach / Freudenstadt: Eine Lehrstunde in Sachen Borkenkäfer-Bekämpfung nahm Honduras Botschafter Ramón Custodio Espinoza in den Wäldern von Klosterreichenbach. Die Begegnung mit Kreisforstamtsleiter Simon Stahl und seinen Kollegen hatte der hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel eingefädelt.   

 Als der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) während einer Dienstreise nach Mittelamerika von den Sorgen in Sachen Wald jenseits des großen Teichs erfuhr, bot er dem ranghöchsten Repräsentanten von Honduras in Berlin sofort Hilfestellung in Form von Know-how an. Wer könnte das besser leisten als die erfahrene Forstverwaltung im Schwarzwald, sagte er, denn die wüssten, wie man dem Buchdrucker und seinen Kumpanen den Garaus macht.

Ramón Custodio Espinoza hatte nach eigenen Worten den Politiker aus dem Nordschwarzwald als einen Mann der Tat kennengelernt, der es gut mit dem honduranischen Volk meine. Der Parlamentarier habe erkannt, dass man das mittelamerikanische Land mit all seinen Problemen nicht alleine lassen dürfe und: „Ich glaube, Herr Fuchtel weiß mehr über unsere Wälder als ich.“ Fuchtel selbst sieht in Honduras allerdings auch „Entwicklungsbedarf auf dem Gebiet der guten Regierungsführung sowie für einen intensiven Dialog über die Menschenrechte und deren Realisierung.“

Also ergriff Ramón Custodio Espinoza die Gelegenheit beim Schopf und reiste von Berlin in den Nordschwarzwald, um sich intensiv über die Borkenkäfer-Bekämpfung hierzulande unterrichten zu lassen. Denn in Honduras ist Eile in Verzug, weil der Schädling – bedingt durch den Klimawandel – seit letztem Jahr bereits 30 Prozent der     Waldstrukturen befallen hat. „Wir müssen vor allem für unsere nachfolgenden Generationen reagieren“, ist der Botschafter gewarnt.

Im Wald von Klosterreichenbach beantworteten Kreisforstamtsleiter Simon Stahl, Forstdirektor Clemens Erbacher und Revierförster Jürgen Rittner zweieinhalb Stunden geduldig die vielen Fragen, die Seiner Exzellenz auf den Nägeln brannten. So erfuhr ein wissbegieriger Botschafter von den Fachleuten aus erster Hand alles über die naturnahe Waldwirtschaft und „dass jeder Nadelbaum seinen natürlich Feind hat“. Nur die konsequente Überwachung der Wälder zeige Wirkung in der Borkenkäfer-Bekämpfung, machten die Forstfachleute ihrem hohen Gast klar. Der 500 Meter breite Pufferstreifen zum Nationalpark werde sogar wöchentlich kontrolliert

Wenn ein Baum befallen sei, sei rasches Handeln angesagt. Dann helfe nur sofortiges Abholzen und der zeitnahe Abtransport ins Sägewerk, damit wenigstens ein guter Holzpreis erzielt werden könne.

Der Botschafter wunderte sich derweil, dass man dem Schädling nicht mit chemischen Mitteln zu Leibe rückt. Doch da überzeugten ihn Dr. Gerolf Hau vom CDU-Kreisverband und Markus Schindele, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes, dass das kein Thema sei: Nachhaltigkeit sei nicht nur gut für Ökologie und Ökonomie, sondern auch für den Menschen. Die Baiersbronner seien stolz auf ihre Wälder, die zugleich Erholungsgebiete seien.

Später, beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Freudenstadt, zollte Ramón Custodio Espinoza all jenen großen Respekt, die sich für den Schwarzwald und dessen Erhaltung einsetzen. Er habe viel von den Forstmännern gelernt und werde wohl einiges zur Bekämpfung des Schädlings in seiner Heimat beitragen können. Freudenstadts Bürgermeisterin Stephanie Hentschel hob im Rathaus nochmals die Bedeutung der Waldwirtschaft für die Region hervor. Immerhin sei der Freudenstädter Stadtwald, so Hentschel, mit seinen 3200 Hektar der drittgrößte kommunale Forst in Baden-Württemberg. 

 

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Sogar ein Modell vom im Original winzigen Borkenkäfer hatten die Forstbeamten für den honduranischen Botschafter Ramón Custodio Espinoza (Zweiter von rechts) für ihre Lehrstunde in Sachen Schädlingsbekämpfung nach Klosterreichenbach mitgebracht.  

 

 

 

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Ins Goldene Buch der Stadt Freudenstadt trug sich Botschafter Ramón Custodio Espinoza ein, flankiert von Dr. Gerolf Hau vom CDU-Kreisverband (links), Bürgermeisterin Stephanie Hentschel und dem CDU-Landtagsabgeordneten Norbert Beck (rechts).

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