28.09.2016

Botschafter kommt in Horb seinem Traum näher

Berufsschule: Ramón Custodio Espinoza informiert sich über Duale Ausbildung / Fuchtel vermittelt Gespräch mit Schülern und Lehrern / Schüler fallen durch gutes Englisch auf

Botschafter kommt in Horb seinem Traum näherEin Botschafter schaut den Auszubildenden in der Gewerblichen und Hauswirtschaftlichen Schule in Horb nicht alle Tage über die Schulter: Ramón Custodio Espinoza freute sich über die Einblicke, die ihm die Jugendlichen und ihre Lehrer gewährten.

Horb. Ramón Custodio Espinoza hat einen Traum: Dass eines Tages die jungen Menschen in Honduras genauso gut ausgebildet werden wie im Horber Berufsschulzentrum. Doch bis dahin, sagte der Botschafter den jungen Leuten, denen er bei ihrer Ausbildung über die Schultern schauen durfte, sei es noch ein weiter Weg. Die Schülerinnen und Schüler meisterten das Gespräch in englischer Sprache!

Diesen Weg in die duale Berufsausbildung möchte Custodio Espinoza in seinem Heimatland über ein Pilotprojekt starten, für das ihm Lehrer und Schüler dank einer Initiative des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel das Know-how lieferten. Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist davon überzeugt, dass die Strukturen, die zu einer hohen Jugendarbeitslosigkeit in dem mittelamerikanischen Land beitragen, nur über Bildung durchbrochen werden können. Deshalb bot der Politiker dem Botschafter eine Gesprächsrunde in der Neckarstadt an, wo er durch Schulleiter Jochen Lindner die ganze Vielfalt der dualen Ausbildung in Baden-Württemberg präsentiert bekam.

Damit nicht genug: Schülerinnen und Schüler steuerten ungeschminkt ihre eigenen Erfahrungen bei; der Diplomat fand trotz intensiver Nachfrage niemanden, der seinen Entschluss zu einer dualen Ausbildung bereut hätte. Im Gegenteil: „Ich finde die Kombination aus Theorie und Praxis den besten Weg, um einen Beruf zu erlernen“, hörte Ramón Custodio Espinoza an diesem Vormittag nicht nur einmal. Insgesamt nahm man sich für den Erfahrungsaustausch die doppelte Zeit, die laut Protokoll für den Besuch des hohen Gastes eigentlich vorgesehen war.

„Ich habe Dinge gelernt, die ich zuvor noch nie gesehen habe und durch meinen Kopf schwirren jetzt so viele Ideen“, sagte der Botschafter, als er sich von Bürgermeister Jan Zeitler aus Horb verabschiedete, „dass ich am liebsten sofort loslegen würde.“ Vor allem fasziniere ihn, dass man in Deutschland auf so vielen Wegen seine beruflichen Ziele erreichen könne. Jetzt komme auf ihn noch ein großes Stück Überzeugungsarbeit in der Heimat zu. Doch Ramón Custodio Espinoza ist überzeugt, dass er mit dem Wissen aus Horb in Honduras gut für sein Pilotprojekt gewappnet ist, für das er ein deutsches Großunternehmen und ein staatliches Unternehmen gewinnen will. Gleichwohl dürfe man nicht vergessen, dass der Weg zu einer dualen Ausbildungslandschaft in Honduras im Eiltempo zurückgelegt werden müsse, während sich die Deutschen, basierend auf den Grundgedanken der Handwerker-Gilden, dafür fast 1000 Jahre Zeit lassen konnten. Das allerdings mit Erfolg, denn die duale Ausbildung habe die deutsche Wirtschaft stark gemacht, resümierte der Botschafter. 

Erstaunt zeigte sich der Diplomat darüber, dass die Berufsschulen vom Staat gefördert und auch die Unternehmen in die Ausbildung der jungen Leute investieren. Dass Bildung nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Wirtschaft von existenzieller Bedeutung ist, verdeutlichte ihm Schulleiter Jochen Lindner. Berufsausbildung nach deutschem Vorbild sorge für Flexibilität in den Betrieben und kreative Köpfe.

Der Botschafter kam beim direkten Kontakt mit den Jugendlichen schnell zu der Einsicht: „Wenn ich ein Leben lang das Gleiche mache, bin ich am Schluss natürlich frustriert!“ Seine Exzellenz freute sich besonders, dass die jungen Leute keinerlei Berührungsängste mit dem Diplomaten hatten und seine Fragen auf Englisch ausführlich und perfekt beantworteten.

Dass seine Initiative und die Offenheit der Horber womöglich dazu beitragen, den Jugendlichen in einem der ärmsten Länder der Welt neue Perspektiven zu geben, freut Hans-Joachim Fuchtel ganz besonders. Gleichwohl sieht der Abgeordnete in Honduras darüber hinaus auch „ganz enormen Entwicklungsbedarf auf dem Gebiet der guten Regierungsführung sowie für den Veränderungsbedarf und einen dazu notwendigen intensiven Dialog über die Menschenrechte und deren Realisierung.“

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