30.09.2016

Wirtschaftsinitiative Kasachstan vereinbart

Wirtschaft: Calwer Konferenz soll Unternehmen der Region den Weg eben / Fuchtel gewinnt Botschafter für regionalen Ansatz

Wirtschaftsinitiative Kasachstan vereinbartKasachstan als Wirtschaftsstandort für deutsche Unternehmen im Blick: Peter Gäbler, Geschäftsführer Trützschler Card Clothing Neubulach, Carl Christian Hirsch (IHK), Andreas Knörle (Landratsamt Calw), der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Botschafter Bolat Nussupov, Rosemarie Röhm-Frenzel (CDU-Stadtverbandsvorsitzende), Kissling-Geschäftsführer Dr. Ulrich Knapp und Mitgesellschafter Bernhard Ihring.

Wildberg-Sulz / Calw / Freudenstadt. Mit einem regionalen Impuls sollen Wirtschaftspotenziale der hiesigen Region und des flächenmäßig neuntgrößten Landes der Erde zusammengebracht werden. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Unternehmern, dem Nagolder Geschäftsstellenleiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald, Carl Hirsch, und Kasachstans Botschafter Bolat Nussupov auf Initiative des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel.

Das Wirtschaftsgespräch mit dem Diplomaten fand am Hauptsitz der Kissling Gruppe in Wildberg-Sulz statt. "Wir haben eine Reihe von Ansätzen gefunden“, betonte Inhaber Dr. Ulrich Knapp im Anschluss, „für jedes Unternehmen, das nächstes Jahr zur Weltausstellung Expo 2017 in das zentralasiatische Land möchte, ist das ein Einstieg". Der CDU-Bundestagsabgeordnete Fuchtel zu seinem Engagement für die Region: "Wir haben ausgezeichnete Wirtschaftssegmente im Nordschwarzwald und sollten deshalb einen regionalen Ansatz nicht scheuen, sondern selbstbewusst so etwas auch mal in Calw auf den Weg bringen".

Damit hatte der Botschafterbesuch, an dem für das Landratsamt Dezernent Andreas Knörle mitwirkte, in dessen Zuständigkeit die Wirtschaftsförderung fällt, ein konkretes Ergebnis. Während das Datum für die Wirtschaftskonferenz noch nicht feststeht, ist der Tagungsort bereits fixiert: Eine Produktionshalle im Industriepark Reum, die die Kissling Gruppe als Produktionsstätte für die mechanische Fertigung übernommen hat, stellt Dr. Ulrich Knapp dafür zur Verfügung.

Kasachstan ist mit 2,7 Millionen Quadratkilometer Fläche der neuntgrößte Staat der Erde. Beim Wirtschaftswachstum hat das Land in den letzten Jahren kräftig zugelegt. Es verfügt über große Erdöl- und Erdgasvorkommen sowie reiche Bodenschätze. Außerdem gelte das Land, so Fuchtel, als Musterbeispiel für die Transformationswirtschaft und liege aus europäischer Sicht strategisch sehr günstig für den gesamten zentralasiatischen Markt.

In Kasachstan treffe man auf eine neue Elite von in den USA bestens ausgebildeten Verhandlungspartnern mit hoher Wirtschaftskompetenz, berichtete Fuchtel, der das Land als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wiederholt besucht hat, aus eigener Erfahrung.  Interessierte Unternehmen riet er, jetzt schon Konturen für die Weltausstellung in der Hauptstadt Astana zu entwickeln. 

Bolat Nussupov warb für Engagements in seinem Land: Mit günstiger Steuergestaltung würden Anreize für ausländische Investoren geschaffen und die zweite Stufe der Modernisierung der Wirtschaft eingeleitet. Kasachstan arbeite mit Deutschland in der dualen Berufsausbildung bereits eng zusammen, um die Jugendarbeitslosigkeit einzudämmen. Jugendliche, deren Wurzeln in Kasachstan liegen, sollen deshalb nach einer Idee von Hans-Joachim Fuchtel als Ausbildungsbotschafter gewonnen werden, um dann in kasachischen Medien für das duale System nach deutschem Muster zu werben.

Zu der Veranstaltung in Calw werden neben Unternehmern aus beiden Ländern auch Aussiedler aus Kasachstan eingeladen, um über ihr Leben und Arbeiten im Nordschwarzwald zu berichten. Außerdem werden die Hochschulen eingebunden.

Die Kissling Gruppe ist nach den Worten von Dr. Ulrich Knapp und Mitgesellschafter Bernhard Ihring „expansiv unterwegs“. In den nächsten vier Jahren würden zusätzlich 100 Arbeitsplätze geschaffen, um die Luftfahrt-Produktion weiter zu qualifizieren. Mit dem Umzug der mechanischen Fertigung werden 120 Arbeitsplätze nach Calw verlagert. Die Unternehmensgruppe hat weitere Standorte in Deutschland, den USA, in der Schweiz und in der Slowakei. Eine Investition in Kasachstan könnte sich die Geschäftsleitung durchaus vorstellen. Kissling beschäftige in Sulz bereits Mitarbeiter mit kasachischen Wurzeln, sagte Knapp, mit denen man gute Erfahrungen gemacht habe.

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