03.11.2016

Erste gute Beispiele gibt es schon

Ausbildung / Möglichkeiten für Flüchtlinge / Fuchtel informiert sich bei Kreishandwerksmeisterin / Kapazitäten an Berufsschulen nutzen

Erste gute Beispiele gibt es schonDie Nutzung von Kapazitäten in den Berufsschulen für die Unterrichtung von Flüchtlingen war Thema beim jüngsten Jahresgespräch zwischen dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Kreishandwerksmeisterin Roswitha Keppler in Oberreichenbach.

Calw. Die Kapazitäten der Berufsschulen im Nordschwarzwald sollten im Rahmen aller Möglichkeiten für die Unterrichtung von Flüchtlingen genutzt werden. Darin sind sich der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Kreishandwerksmeisterin Roswitha Keppler einig. Denn Bildung sei der beste Weg in einen erfolgreichen Berufsweg.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kreishandwerksmeister in seinem Wahlkreis regelmäßig aufzusuchen, um mit ihnen die aktuellen Entwicklungen zu besprechen. Dazu gehört auch die Ausbildung im Kreis. Fuchtel erkundigte sich außerdem, welchen Beitrag die Berufsschulen zur Integration junger Flüchtlinge in die Arbeitswelt leisten.

„Es gibt einzelne gute Beispiele, dass der Einstieg in eine Ausbildung möglich ist. Aber in der Breite müssen wir feststellen, dass die jungen Flüchtlinge unser Ausbildungssystem nicht so schnell durchlaufen können, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagt Dr. Reinhard Maier, geschäftsführender Schulleiter im Landkreis Calw. Einige junge Flüchtlinge hätten innerhalb kurzer Zeit in Ausbildungsberufe vermittelt werden können. Die Bandbreite reiche von der Friseurin über Textiltechniker und Betonbauer bis zum Lagerlogistiker. Von letzterem Ausbildungszweig gebe es sogar eine komplette Klasse.

Großes Lob zollt Maier den Betrieben, die Praktika ermöglichen. „Es ist wirklich toll, dass Unternehmen den jungen Flüchtlingen derartige Chancen geben.“ Denn dadurch würden sie am schnellsten das Arbeitsleben hierzulande kennenlernen.

Dreh- und Angelpunkt für den Einstieg in eine Ausbildung sei die Beherrschung der deutschen Sprache. „Deshalb geben wir zusätzliche Deutschstunden.“ Mit dem Sprachunterricht allein sei es freilich nicht getan. Den Jugendlichen werde auch die Kultur und die Lebenswelt in Deutschland nähergebracht. Haben sie ein gutes Sprachniveau erreicht, kommt der schwierigste Schritt, weil die Frage beantwortet sein will: Welcher Weg ist der richtige?

Die Mehrheit der jungen Flüchtlinge sei männlich. Sie würden meistens ihre Chance ergreifen wollen. „Die, die fleißig sind, werden es schaffen“, ist Maier überzeugt, aber es gebe auch den einen oder anderen, der überfordert sei. „Auf diese wie auch auf die unbegleiteten Jugendlichen müssen wir ein besonderes Auge haben, damit sie nicht in die Parallelgesellschaft abdriften.“ Der geschäftsführende Schulleiter: „Da ist konsequentes Handeln gefragt!“

Nichtsdestotrotz: „Die Lehrer gehen gerne in diese Klassen“, hat Maier als Schulleiter der Rolf-Benz-Schule in Nagold gehört, „die Stimmung ist gut.“ Weil man Entwicklungspotenzial sehe, würden die Kolleginnen und Kollegen „unheimlich viel Herzblut in die Arbeit reinhängen.“ Einige junge Flüchtlinge hätten sogar bei einem Theaterstück mitgespielt. „Für mich ist das ein gutes Zeichen.“

Von großen Anstrengungen, die jungen Flüchtlinge ins Erwerbsleben zu bringen, berichtet auch Manfred Füssinger. Gut sei, dass die Berufsschulen auf Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen könnten, so der Schulleiter der Hermann-Gundert-Schule in Calw, die man mit vietnamesischen und türkischen Schülerinnen und Schülern schon gesammelt habe. Auch Füssinger sieht die Sprachförderung neben der Vermittlung von kulturellen Werten als die wichtigste Brücke in die Arbeitswelt. Hierfür seien einige Nebenlehrkräfte eingestellt worden.

„Luft nach oben“ für Sprachförderung und Integrationsunterricht hätte gerne Michael Niedoba. Denn die jungen Leute seien sehr verschieden, hätten große Sprachbarrieren und: „Wir wissen oft zu wenig von ihnen.“ Auf der anderen Seite erlebe er große Dankbarkeit seitens der jungen Leute, „auch wenn ich mir einen schnelleren Übergang in die Ausbildung vorgestellt habe.“

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