02.12.2016

Pflegetour setzt nochmal Akzente

Veranstaltungsreihe: Konrad-Adenauer-Stiftung verbucht auch zum Abschluss volles Haus / Ministerialdirektor mit Impulsreferat / Fuchtel: Berücksichtigung für ländlichen Raum sicherstellen

Pflegetour setzt nochmal Akzente Rege diskutiert wurde auch zum Abschluss der Pflege-Veranstaltungsreihe der Konrad-Adenauer-Stiftung mit (von links): Johannes Miller (Martin-Haug-Stift), Michael Zimber (Martha-Maria) Regina Dvorak-Vucetic (Konrad-Adenauer-Stiftung), Andreas Klein (Medizinischer Dienst), Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Hansjörg Hummel (Kreisseniorenrat Calw), Professor Dr. Wolf-Dietrich Hammann (Ministerialdirektor), Bürgermeister Hagen Breitling, Horst Lipinski (Kreissozialamtsleiter), Elena Schweizer (Martha-Maria) und Ingolf Stoll (Martha-Maria).

Freudenstadt / Nagold. Wenn es um die Pflege älterer und behinderter Menschen geht, steht für den Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel außer Frage: Der ländliche Raum darf bei der drängenden Frage nach dem Wie nicht abgehängt werden. Die abschließende Pflegetour einer vierteiligen Veranstaltungsreihe der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) setzte in Freudenstadt und Nagold noch einmal Akzente.

Seit Anfang 2015 hatte das politische Bildungsforum im Nordschwarzwald unter der Schirmherrschaft des CDU-Bundestagsabgeordneten die Perspektiven der Pflege und der Sterbebegleitung aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Alle drei Pflegekonferenzen waren auf starke Beachtung in Fachkreisen, aber auch bei denjenigen gestoßen, die einen aufopferungsvollen Dienst an ihren Mitmenschen leisten.

Bei der Abschlussrunde verbuchte Regina Dvorak-Vucetic von der Konrad-Adenauer-Stiftung erneut ein volles Haus. Im Nagolder Seniorenzentrum Martha-Maria ging der Teilnehmerkreis der Frage nach, welche Chancen und Risiken in der Umsetzung der neuen Pflegegesetze stecken.

Am Morgen hatte sich die Runde zunächst im Freudenstädter Martin-Haug-Stift mit deren Handhabung vertraut gemacht. „Es ist unglaublich wichtig, dass sich unsere Mitmenschen für die Belange der Altenpflege interessierten“, freute sich Heimleiter Johannes Miller über die Resonanz. Über der Pflege schwebe jedoch immer die Frage, wie sich junge Leute für den Beruf begeistern lassen. Auf weitere Sicht sollte auch die Pflegeversicherung reformiert werden, damit das finanzielle Risiko, wie bei Teilkaskoversicherungen, von der Solidargemeinschaft und nicht vom einzelnen Versicherten getragen wird.

Es sei wichtig, jener Generation mehr Beachtung zu schenken, „die diesen Staat aufgebaut hat“, verdeutlichte Hans-Joachim Fuchtel seine Motivation für die Veranstaltungsreihe. Dazu müssten auch die Stärkung der häuslichen Pflege und die ambulante Tagespflege, die immer mehr an Bedeutung gewinne, gezählt werden. Letztere aber sei im ländlichen Raum schwieriger umzusetzen, weil zum Beispiel die Frage der Erreichbarkeit eine andere als in den Ballungsräumen sei. Als Politiker sei es ihm ein Anliegen gewesen, einen Überblick über das Pflegewesen zu erhalten, um zu hören, „wo der Schuh drückt!“

Nagolds Bürgermeister Hagen Breitling nannte „die Tour durch die Praxis mehr als notwendig.“ Deshalb sei es gut, dass die KAS Fuchtels Idee aufgegriffen habe. Nicht nur einmal bekam der Abgeordnete an diesem Tag zu hören, dass die unionsgeführte Regierungskoalition in Berlin auf dem richtigen Weg sei. „Der Politik ist mit den neuen Pflegestärkungsgesetzen der große Wurf gelungen“, betonte beispielsweise Andreas Klein vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Wobei Fuchtel selber darauf hinwies, dass die Politik ihrerseits erwarte, dass die Pflegeeinrichtungen die frei gewordenen Ressourcen durch das Zurückfahren der Dokumentationspflicht nun tatsächlich für die Betreuung der Menschen nutzen.

Dass Pflege sich vor allem vor Ort bewähren muss, betonte Professor Dr. Wolf-Dietrich Hammann. „Ohne Ehrenamt geht’s gar nicht“, habe auch der Landtag bei seinem Runden Tisch zur Pflege erkannt. Der Ministerialdirektor im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg hatte als ehemaliger Nagolder bei seinem Impulsreferat ein Heimspiel. Auch ihn bewegte die Frage, wie sich der Pflegeberuf aufwerten lasse. Die Förderung von Wohnquartieren werde künftig eine entscheidende Rolle spielen, so der Ministerialdirektor, nur die Vermittlung gegenseitiger Wertschätzung werde jedoch dafür sorgen, dass sich Jung und Alt verantwortlich füreinander fühlen.

Genau da besteht offensichtlich noch Nachholbedarf: „Wo wir noch nicht so gut vorankommen, sind die Ehrenamtlichen, die sich kümmern“, bedauerte Hansjörg Hummel vom Kreisseniorenrat Calw. Dennoch sieht Horst Lipinski deutliche Fortschritte: “Wir können nicht alles auf einmal schaffen“, sagte der Kreissozialamtsleiter, „aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir schon einiges erreicht haben.“

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