09.01.2017

Flexibilität für Gastgewerbe wichtig

Arbeitszeitgesetz: Fuchtel führt Spitzengespräch mit neuem DEHOGA-Präsidenten

Flexibilität für Gastgewerbe wichtig Suchte das Gespräch mit der Spitze des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Berlin: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (links) und der neue DEHOGA-Präsident Guido Zöllick. Foto: Büro Fuchtel

Calw / Freudenstadt. Die Forderung nach mehr Flexibilität in der Umsetzung der Höchstarbeitszeit hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) im Nordschwarzwald wiederholt an den CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel herangetragen. Deshalb suchte der Parlamentarische Staatssekretär jetzt das Gespräch mit dem neuen DEHOGA-Präsidenten Guido Zöllick in Berlin. Bei der Gelegenheit hat er ihn auch gleich in seinen Wahlkreis eingeladen.

Der erst vor wenigen Wochen ins Amt gekommene Präsident Guido Zöllik aus Warnemünde an der Ostsee sieht wie die hiesige Gastronomie im Schwarzwald derzeit die mangelnde Flexibilität des Arbeitszeitgesetzes als wesentliches Hemmnis für Hotellerie und Gastronomie. Es bringe regelmäßig Probleme. Die im DEHOGA organisierten Betriebe wollten keine generelle Ausweitung der Arbeitsstunden pro Woche, was sie aber bräuchten sei eine flexiblere Handhabung.

„Gastronomie und Hotellerie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, vor allem in Tourismusregionen wie dem Nordschwarzwald“, sagt Hans-Joachim Fuchtel, „das Gastgewerbe zählt unterm Strich sogar mehr Arbeitsplätze als die Automobilindustrie in Deutschland.“ Ganze Branchen hingen existenziell vom Gastgewerbe ab, „das eben nicht per Stechuhr funktioniert". Der hiesige CDU-Abgeordnete weist darauf hin: Nach aktuellem Stand zählt der DEHOGA 230 Mitgliedsunternehmen im Kreis Calw; im Kreis Freudenstadt sind es 231. Außerdem gibt es noch eine ganze Reihe nichtorganisierter Betriebe. Rund 2.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen allein im Kreis Calw auf den Gehaltslisten des Gastgewerbes, das in 2016 dort einen Jahresumsatz von 117 Millionen Euro erwirtschaftet hat.

Die auf den Tag bezogene Höchstarbeitszeit, so weiß der Parlamentarier von Gastronomen und Hoteliers in seinem Wahlkreis Calw/Freudenstadt, zeigt sich zunehmend als Problem für das Gastgewerbe. „Was hier von uns gefordert wird, ist schlimm für unsere Betriebe“, sagt dazu Egon Finkbeiner. „Wir sind Dienstleister für unsere Gäste und keine Fabrik“, betont der DEHOGA-Kreisvorsitzende aus Freudenstadt. Sogar Kontrolleure würden bestätigen, dass das Arbeitszeitgesetz im Gastgewerbe so nicht umsetzbar sei. Man könne doch seine Gäste nach zehn Stunden nicht einfach nach Hause schicken.

„Was wir brauchen ist keine tägliche, sondern eine wöchentliche Arbeitszeit“, schlägt Rolf Berlin aus Bad Teinach-Zavelstein vor, „dann kämen wir gut hin.“ Auf diese Weise könnten die Arbeitszeiten individueller und flexibler auf die Wochentage aufgeteilt werden, ist der Calwer DEHOGA-Kreisvorsitzende überzeugt. Außerdem wären Arbeitsplätze im Gastgewerbe dann auch deutlich attraktiver für junge Leute.

Ohnehin sei der Mangel an qualifizierten Fachkräften in Küche und Service das größte Problem aller Kollegen, sind sich Berlin und Finkbeiner einig. Deshalb sei höchste Eile geboten, das Arbeitszeitgesetz an die Lebenswirklichkeit anzupassen.

In Berlin, so der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel, gibt es jetzt einen ersten Ansatz im Bundesarbeitsministerium, mit einem Experiment herauszufinden, ob flexiblere Arbeitszeiten vor Überlastung schützen. Für mehr Optionen bei der Wahl der Arbeitszeit sollen Firmen ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in einer Region mehr Selbstbestimmung erlauben. Dafür müsste der Rahmen der bestehenden Gesetze geöffnet werden. Das Experiment soll zwei Jahre befristet, wissenschaftlich begleitet und tarifvertraglich abgesichert werden.

Fuchtel: „Vielleicht passt in diese Experimentierphase, die 2017 starten soll, auch der DEHOGA-Vorschlag für eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Für mich ist generell klar: Wenn den Gastronomen jetzt nicht geholfen wird, muss es ein Thema der Koalitionsverhandlungen werden!"

 

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