13.02.2017

Furioser Auftritt bei Stuttgarter Kickers

Interview: Staatssekretär Fuchtel beim DEKRA Spätschoppen / Orgeldinger: Diesen Politikertyp gibt es heute nur noch selten

Furioser Auftritt bei Stuttgarter Kickers Das Clubheim der Stuttgarter Kickers war Forum für den DEKRA Spätschoppen mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (rechts) und Moderator Hermann Orgeldinger.

Stuttgart / Nordschwarzwald. Einen furiosen Auftritt im Clubheim der Stuttgarter Kickers hatte der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel. Mit dem Griechenland-Beauftragten der Bundeskanzlerin präsentierte Moderator Hermann Orgeldinger in Degerloch einen profunden Kenner der Politikszene beim DEKRA Spätschoppen.

Schauspieler, Unternehmer, Sportgrößen und zuletzt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz waren schon in dieser elitären Runde. Dabei liest sich die Gästeliste der Sachverständigen-Organisation wie das Who is Who der Wirtschaft und Politik. So auch bei der 344. Talkrunde, als Orgeldinger den CDU-Politiker aus dem Nordschwarzwald interviewte. Das hatte seinen Grund: „Ich wollte mehr über einen der ungewöhnlichsten Bundestagsabgeordneten erfahren – einen Politiker, wie es ihn heute nur noch höchst selten gibt!“

Dabei entlockte er seinem Gegenüber auch so manche Anekdote aus einem reichen Leben auf politischem Parkett. Zum Beispiel über Altkanzler Kohl, Arbeitsminister Blüm oder den südafrikanischen Nobelpreisträger Tutu. Sehr zur Freude des weit über 200-köpfigen Publikums, das mit Beifall für Fuchtels Griechenland-Mission und sein Engagement in der Entwicklungshilfe nicht sparte.

„Fuchtelos“, wie ihn die Griechen nennen, wich selbst kritischen Fragen nicht aus, berichtete, dass endlich wieder Wachstumstendenzen in Südeuropa erkennbar sind – wegen der nun allmählich greifenden Reformen, weil Korruption bekämpft werde und er die erste neue Bank nach Hellas brachte. Die Deutsch-Griechische Versammlung führe Menschen auf kommunaler Ebene zusammen, woraus Know-how-Partnerschaften entstünden. Fuchtel: „An der Spitze der Bewegung wirkt der baden-württembergische Gemeindetagspräsident mit großer Weitsicht.“ Mit der griechischen Seite habe sich ein Klima des verbindenden Vertrauens gebildet. Der Staatssekretär unter großem Applaus: "Nur konkrete Taten führen zu Veränderungen und das geschieht mit riesigem Engagement von kommunaler Ebene und Zivilgesellschaft. Darauf kann unsere Gesellschaft durchaus stolz sein".

Auch Fragen zu seiner Rolle als Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kamen nicht zu kurz. Als er sein Smartphone zückte, um die App "Siegelklarheit" zu präsentieren, blitzte die Leidenschaft auf, mit der sich der Politiker für jene stark macht, die mehr Solidarität benötigen: auf dem Textilsektor die asiatischen Arbeiterfamilien. Mit Hilfe der kostenlosen App erschließen sich dem Verbraucher mehr Einblicke in Herstellungsvorgänge, auch zu Kinderarbeit, Chemieeinsatz und miserable Entlohnung.

Nichts hält der Vollblutpolitiker von „populistischem Geschwätz“, wenn es um die Flüchtlingsfrage geht. „Da zählen Konzepte und Taten, denn es ist eine Herausforderung, die uns in der globalen Welt noch länger begleiten wird", betont Fuchtel, der gleichwohl einräumt: „Wir können nur in begrenztem Umfang die Probleme in Deutschland lösen, wenn Integration gelingen soll und das ist unabdingbar.“ Also investiere die Bundesregierung in neuer Dimension in Ausbildung und Arbeit vor Ort, um den Menschen in Heimatnähe Perspektiven zu geben. Solange Flüchtlinge in Deutschland seien, müssten sie Berufliches lernen, damit sie nicht untätig seien. Das Erlernte helfe nach der Rückkehr bei einem besseren Start. Hier werde sich etwas ändern: „Abgelehnte Asylbewerber werden, sobald dies vertretbar ist, zurückgeschickt.“ Denn sie hätten kein Recht zu bleiben. Dieses Vorgehen sei notwendig, auch wenn es zu Härten im Einzelfall führe. Dem werde man durch schnellere Entscheidungen entgegenwirken.

Auf seinen enormen persönlichen Einsatz über sehr lange Zeit angesprochen, erklärte Fuchtel: „Das Leben ist keine Generalprobe. Wer sich in eine politische Aufgabe begibt, sollte seine Kraft voll einbringen.“ Er sehe den Bürger in gewisser Weise als Kunde, der Leistung erwarten dürfe.

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