20.02.2017

Nachhaltigkeit beim Einkauf - Konsument kann Einfluss nehmen

Siegelklarheit: Im Modehaus Bertsch ist man offen für modernen App-Kaufberater / Fuchtel beim Einzelhandel

Nachhaltigkeit beim Einkauf - Konsument kann Einfluss nehmen Über Nachhaltigkeit in der Textilbranche sprachen in Schömberg (von links): der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel sowie Karl-Heinz, Udo und Anna Bertsch.

Schömberg. Im fernen Asien hat sie schon Veränderungen bewirkt, denn mit „Siegelklarheit“ lassen sich via Smartphone Aussagen über ganze Produktionsprozesse treffen. Deshalb sorgte die Handy-App in Schömberg für genügend Gesprächsstoff, als der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel auf die Eigentümer des Modehauses Bertsch zuging, um mit ihnen über Nachhaltigkeit beim Einkauf zu sprechen. Hans-Joachim Fuchtel: „Der Einzelhandel im ländlichen Raum ist besonders wichtig!“

 Mit Karl-Heinz, Udo und Anna Bertsch hatte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), wo die App entwickelt worden ist, gleich drei Generationen am Tisch. Seine sehr interessierten Gesprächspartner informierte der Politiker über die ersten Schritte hin zu mehr Sozialverträglichkeit und Umweltfreundlichkeit. „Das ist ganz in unserem Sinne und im Sinne des Verbrauchers“, sagte Karl-Heinz Bertsch, „so lässt sich auf Dauer die Spreu vom Weizen trennen.“

1923 gegründet ist das Modehaus Bertsch in Schömberg mit seinen 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einer Verkaufsfläche von mittlerweile knapp 1500 Quadratmeter das größte seiner Art im Kreis Calw. In Fuchtels Augen ein wichtiger Repräsentant der Textilbranche in der Region, weshalb er hier mit seiner Infotour für den Einzelhandel begann. Weitere Stationen werden folgen, kündigte der Abgeordnete an.

Die Aktion „Siegelklarheit“ ist mehr als ein Kaufberater beim nachhaltigen Einkauf für unterschiedlichste Produktgruppen, machte der Staatssekretär beim Meinungsaustausch deutlich. Mit der App komme man durch die Auswertung der Verkaufssiegel auch jenen schwarzen Schafen auf die Schliche, die vor Ausbeutung der Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter oder auch vor Kinderarbeit nicht zurückschrecken. Mit dem neuen Instrument habe sich das Bundesministerium auf den Weg gemacht, betonte Fuchtel, das Bewusstsein für soziale und ökologische Belange auf der Welt zu schärfen. Damit würden ganz konkret auch Fluchtursachen bekämpft.

„Wer nachhaltig einkauft, kann etwas bewegen“, ist der Politiker überzeugt. Er rät Verbrauchern, sich die App kostenlos auf ihr Handy zu laden, um beim Einkauf rasche Informationen zur Hand zu haben. Denn „Siegelklarheit“ helfe angesichts der Vielfalt an sogenannten Gütesiegeln bei der Orientierung, um dabei Fragen wie diese zu beantworten: Wo wird fairer Handel betrieben? Werden die Produkte umweltfreundlich hergestellt? Wird bei der Herstellung auf ökologische und soziale Standards geachtet?

Der Vergleich von Siegeln einer Produktgruppe basiere zwar auf Freiwilligkeit der Hersteller und Lieferanten, so Fuchtel, doch je mehr die App nachgefragt werde, umso mehr interessiere das Zulieferer, Produzenten und die Vertriebsunternehmen. Allein in Bangladesch seien in kurzer Zeit 300 Inspektoren zur Überprüfung der Standards vom deutschen TÜV ausgebildet worden, was beweise, wie ernst es der Bundesregierung mit dem Projekt ist. Auch deutsche Betriebsräte bringen sich in die Arbeit ein.

Es gebe in den Gemeinden der Landkreise Calw und Freudendstadt eine ganze Reihe von Textileinzelhändlern, die für erstklassische Kundenversorgung hart arbeiteten und ihren Beitrag auf völlig privatwirtschaftlicher Weise für die Lebendigkeit des ländlichen Raumes leisteten. Sie hätten den notwendigen Zuspruch verdient. Wer deren langfristigen Erhalt wolle, müsse beim Einkauf mit den Füßen zugunsten des ländlichen Raums abstimmen.

 


 

Zum nachhaltigen Einkauf und zur Aktion „Siegelklarheit“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gibt es weitere Informationen im Internet unter: www.siegelklarheit.de. Wer direkt vor Ort erfahren möchte, wie Umwelt- und Sozialsiegel bewertet werden, kann sich die passende App auf sein mobiles Endgerät laden. Über die Suchfunktion gelangt man zur Bewertung der relevanten Umwelt- und Sozialsiegel für die Produktgruppen Textilien, Lebensmittel, elektronische Geräte, Papier, Holz, Natursteine sowie Wasch- und Reinigungsmittel.

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