10.03.2017

Mehr Chancen für Elektromobilität

Klimaschutz: ENCW verdoppelt Zahl ihrer Ladestationen / Fuchtel: Bundesprogramm im ländlichen Raum nutzen / Aufruf zur Offensive

Mehr Chancen für ElektromobilitätDie Chancen des Förderprogramms für Elektromobilität soll der Landkreis Calw voll nutzen: Darüber berieten bei der ENCW in Calw (von links) René Skiba, der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Bernd Geiger und Horst Graef.

Calw. Der Landkreis Calw kann mit Hilfe des Bundesprogramms zur Förderung der Elektromobilität erheblich an Attraktivität gewinnen. So ist erstes Etappenziel der Energie Calw (ENCW) die Verdoppelung der Strom-Zapfsäulen im Kreis auf 26, gab sich Geschäftsführer Horst Graef beim Vor-Ort-Termin des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel "energie-sportlich."

Wesentlich mehr Elektromobilität sei ganz wichtige Voraussetzung für die Energiewende, um die klimaschutzpolitischen Ziele der Bundesregierung zu erreichen, betonte der CDU-Politiker beim Fachgespräch mit der ENCW in deren Geschäftsräumen in Calw. Dazu gehöre die langfristige Umstellung der Energiebasis für den Verkehr auf Strom aus erneuerbaren Energien, so Fuchtel, in Verbindung mit innovativen Antriebstechnologien. Deshalb werde das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur eine Förderrichtlinie zur Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge auflegen, von der – wie bei der Breitband-Förderung – insbesondere auch der ländliche Raum profitieren soll.

Im Kreis Calw waren Ende 2016 insgesamt 147.317 Fahrzeuge gemeldet, davon 136 mit Elektroantrieb. „Das schönste E-Auto nützt jedoch nichts, wenn es nicht genug Ladestationen gibt“, betonte der Politiker. Wichtig seien deshalb Akteure, die sich konzeptionell einbringen, wie das die ENCW auf praktische Weise tue. Fuchtel: „Das neue Programm gibt vor allem im Miteinander von öffentlicher und privater Seite viel Spielraum für kreatives Zusammenwirken." Der ländliche Raum müsse hier „frühzeitig initiativ werden und in gut koordinierter Form agieren!"

So seien zum Beispiel auch technische Infrastrukturen gefragt, um die Elektromobilität – beispielsweise bei Mehrfamilienhäusern – in die Architektur einzubinden. Ebenso sollten sich Berufsschulen, Kfz-Handwerk und Vereine mit der Thematik auseinandersetzen. Fuchtel schlug eine „Elektromobilitäts-Tour“ durch die Schulen des Kreises vor, um junge Menschen mit der Zukunft vertraut zu machen.

Die Erreichung der Klimaziele sei eine geradezu existenzielle internationale Herausforderung. Angesichts der steigenden Weltbevölkerung dürfe man nicht vergessen, dass laut UNO-Prognose bis 2025 schon acht Milliarden Menschen mobil unterwegs seien.

„Die Elektromobilität wird sich weiter entwickeln, die Sonne schickt uns keine Rechnung“, ist sich Graef sicher, „deshalb sind wir hocherfreut über die Unterstützung durch den Bund.“ Die Wirkungen seien weitreichender als viele glaubten. Wer mit Hybrid-Technik unterwegs sei, komme mit seinem Batterievolumen durch die vom Feinstaub geplagte Landeshauptstadt.

Das Förderprogramm müsse unbedingt auch für die Belange des Tourismus genutzt werden, forderte Fuchtel. Der Ausbau der Gäubahn sollte mit Mietstationen für Elektroautos kombiniert werden, über die man touristische Ziele im Nordschwarzwald umweltfreundlich erreiche. Für Bernd Geiger, Leiter des ENCW-Geschäftskundenvertriebs, ist die Verknüpfung von Schiene und Auto „eine durchaus lohnenswerte Kombination“. Für viele Menschen stelle sich bereits die Frage, ob sie überhaupt ein eigenes Fahrzeug benötigen und stattdessen bei Bedarf einfach eines leasen.

In den Augen von Ricarda Becker von der ENCW und René Skiba von der Tourismus Nördlicher Schwarzwald genau der richtige Ansatz: Sie stricken unter Berücksichtigung des Förderprogramms bereits an Vorschlägen für die Gastronomie, um die Elektromobilität in der Region noch attraktiver zu gestalten.

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