15.03.2017

Digitalisierung aktiv mitgestalten

Zukunftsthemen: Fuchtel bei Agentur für Arbeit / Offensive bei 4.0 / Studierende für Region gewinnen / Fast 400 Flüchtlinge vermittelt / Stabile Arbeitsmarktlage gibt Gestaltungschancen

Digitalisierung aktiv mitgestaltenGedankenaustausch zu Zukunftsthemen in der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim mit (von links): Martina Lehmann (Vorsitzende der Geschäftsführung), Geschäftsführer Mathias Auch, Betriebsaquisiteur Ayhan Kamil, Herbert Syring (stellvertretender Geschäftsführer Jobcenter Landkreis Calw), dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Constanze Krems (Geschäftsführerin Jobcenter Landkreis Freudenstadt).

Nagold / Pforzheim / Freudenstadt. Die Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim wird sich verstärkt in die Digitalisierung am Arbeitsplatz einbringen. „Wir können nicht warten, wie sich dieser Prozess entwickelt, sondern müssen ihn aktiv mitgestalten“, waren sich der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Arbeitsagenturchefin Martina Lehmann bei einem Gespräch mit der Führungsriege einig.

Beide begrüßen die bei einer Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent stabile Arbeitsmarktlage in der Region, die "Chancen für offensive Gestaltung“ gebe. „Digitalisierung bedeutet grundsätzlich keine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete. Vor allem für ältere Arbeitnehmer könne sie sehr hilfreich sein. Aber sie fordere eine zusätzliche Qualifizierung für den Arbeitsplatz. Die Digitalisierung biete auch Möglichkeiten zum horizontalen Berufsumstieg im Alter. Diese Entwicklungen bedürften intensiver Mitwirkung aller. Hier werde sich künftig ein noch größeres Arbeitsfeld für die Arbeitsagentur finden, so Fuchtel.

Der Abgeordnete interessierte sich speziell für das Bundesprogramm des Europäischen Sozialfonds (ESF) zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit. Dieses habe sich im Nordschwarzwald bestens entwickelt, zog Agenturchefin Lehmann Bilanz. Die Förderung aus Berlin habe zum Rückgang der Arbeitslosenzahlen beigetragen. Auf der anderen Seite sei auch die Auftragslage in 2016 sehr gut gewesen. „Es freut uns richtig, dass wir hier mit zusätzlicher Hilfe des Bundes etwas für diejenigen Kunden erreichen konnten, die es besonders schwer auf dem Arbeitsmarkt haben“, sagte die Vorsitzende der Geschäftsführung.

Eine Herausforderung vor Ort bleibe allerdings, Asylbewerber und Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung zu bringen. Für 375 ist dies in der Region bereits gelungen. Das Hotel- und Gaststättengewerbe tue sich mit Angeboten besonders positiv hervor. „Mir ist wichtig, dass diese überwiegend jungen Menschen schnell ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten können“, so Lehmann.

Die Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim habe sich daher gemeinsam mit dem Jobcenter und dem Landkreis Calw eigens für diesen Arbeitsbereich jüngst neu aufgestellt. „Mit unserem Kompetenzteam Asyl und Flucht für Unternehmen (KAFU) wollen wir unseren Betrieben einen möglichst kurzen und unkomplizierten Weg in Richtung Ausbildung und Beschäftigung geflüchteter Menschen aufzeigen“, so Lehmann. Geradezu ein Segen sei KAFU, sagte der operative Geschäftsführer Mathias Auch, weil man nun bei den deutlich zugenommenen Einzelfällen wesentlich passgenauer helfen könne. In einigen Unternehmen stoße jedoch auf Unverständnis, wenn ein Flüchtling das Land verlassen und seine Arbeitsstelle abbrechen müsse.

Trotz möglicher Härtefälle sei die Linie der Bundesregierung klar, betonte Hans-Joachim Fuchtel. Wer nachweislich kein Bleiberecht in Deutschland habe, weil er aus einem sicheren Herkunftsland stamme, müsse so schnell wie möglich in seine Heimat zurückgeschickt werden. „Da müssen wir konsequent sein“, unterstrich Fuchtel, der sich dafür aussprach, die Unterstützung in den Herkunftsländern durch Bildung und Ausbildung zu verstärken, „und wenn wir die Probleme nicht vor Ort lösen, kommen sie zu uns“. Darüber hinaus dürfe man nicht vergessen, dass weltweit über 65 Millionen Menschen auf der Flucht seien.

Sehr interessiert zeigte sich der Wahlkreisabgeordnete an den Verflechtungen der "sich erfreulich aufbauenden Hochschullandschaft in den Landkreisen Calw und Freudenstadt“ mit dem hiesigen Arbeitsmarkt. „Hier brauchen wir die örtliche Agentur für Arbeit mit starken konzeptionellen Ansätzen für das sich erweiternde Potenzial und der damit entstehenden Chance für die Region.“ Wenn es allein in Horb fast 1000 Studierende gebe, die weiteren Standorte Calw sowie Bad Liebenzell sich gut entwickelten und nun noch Freudenstadt hinzukomme, so habe der Bedarf an Kooperation eine neue Dimension. „Denn wir sollten im Interesse der Wirtschaft die Studierenden frühzeitig für eine künftige Tätigkeit in der Region interessieren“, gab der Parlamentarier mit auf den Weg.

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