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   15.07.2010

Nordschwarzwald keine heile Welt
Gewalt gegen Frauen: Zahlen steigen weiter / Staatssekretär Fuchtel: Zahnräder ineinander greifen lassen

„Ich halte diese Einrichtung für ungeheuer wichtig“, sagt Carola Broermann. „Das ist die große Chance, das Tabuthema endlich aufzuarbeiten“, so die CDU-Vorsitzende. Oftmals werde Gewalt in der Familie aus Angst oder falsch verstandener Scham einfach tot geschwiegen. Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel treibt darüber hinaus die Frage um, wo sich Kinder gewalttätiger Eltern hinwenden können. Denn aus Untersuchungen sei bekannt – so der Abgeordnete, dass Mädchen wie Jungen, die Gewalt in jungen Jahren erleben haben, später selber zu Gewaltbereitschaft neigen. Deshalb müssten noch mehr „Zahnräder ineinander greifen“. Denn man wolle ja, so Psychotherapeutin Birgit Kluck-Puttendörfer, keine Konkurrenz untereinander schaffen, sondern allen Betroffenen Hilfestellung geben. In nächster Zeit soll es auf Anregung des Abgeordneten ein Gespräch kompetenter Fachleuchte im Kreis mit dem Landrat geben. Die FrauenHilfe, sind sich alle Beteiligten einig, kann ihre Arbeit auf Dauer nicht alleine stemmen, auch wenn Stadt, Kreis und Sponsoren die gemeinnützige Einrichtung unterstützen und der Verein bereits 50 Mitglieder, darunter bis zu 15 aktive, zählt. Das Geld, das in die Einrichtung investiert wird, ist nicht nur aus menschlicher Sicht gut angelegt. Jährlich kostet häusliche Gewalt die deutsche Gesellschaft laut einer Untersuchung des niedersächsischen Sozialministeriums 14,8 Milliarden Euro, wie Martina Kober betont, vom Polizeieinsatz über medizinische Versorgung bis zu Arbeitsausfällen.

Das Thema Gewalt in der Familie sei lange Zeit vor allem im ländlichen Raum tabuisiert worden. Und wo früher ansatzweise noch die soziale Kontrolle gegriffen habe, kümmere sich die Gesellschaft heute kaum mehr flächendeckend um den Nächsten.

Oft sei die FrauenHilfe, sagt Martina Kober, letzte Hoffnung für Frauen, die zuhause durch die Hölle gehen. Auch Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern seien im Nordschwarzwald keine Einzelfälle, weiß die Mitarbeiterin der Polizeidirektion Freudenstadt. In den meisten Fällen hätten deren Mütter keine Schutzmechanismen, weil sie selber in ihrer Kindheit missbraucht worden seien und „Warnsignale nicht erkennen können“.

Die FrauenHilfe Freudenstadt e. V., Lindenstraße 18, ist Montag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr unter Telefon 07441/5203070 erreichbar. Außerdem per E-Mail:info@frauenhilfe-fds.de. Weitere Infos im Internet:www.frauenhilfe-fds.de

Über die Arbeit der FrauenHilfe Freudenstadt diskutierten (von links): Kriminalhauptkommissarin Martina Kober, Birgit Herrmann, Carola Broermann, Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und Birgit Kluck-Puttendörfer.



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