13.06.2018

Zuerst zu den Landwirten vor Ort

Staatssekretär Fuchtel bei Kreisobmännern Fassnacht und Schäfer

orb-Altheim / Region. Nicht etwa in seinem Büro im Berliner Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) kam es zur ersten Begegnung von Hans-Joachim Fuchtel in seiner neuen Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär, sondern in der Stube von Kreisobmann Gerhard Fassnacht. Seinen Stellvertreter Stefan Schäfer aus Betra hatte Fassnacht zu dieser lokalen Begegnung auch eingeladen.

Er habe zwar schon immer einen sehr engen Bezug zu den bäuerlichen Familien in seinem Wahlkreis Calw/Freudenstadt gehabt, betonte Fuchtel, in seiner neuen Funktion als Mitglied der Bundesregierung habe er allerdings noch mehr Mitwirkungsmöglichkeiten in Sachen Landwirtschaft. „Wir stehen vor der Weiterentwicklung der Agrarpolitik in Europa“, umriss der CDU-Politiker die Bedeutung der Aufgabe. Mit Julia Klöckner habe eine sehr engagierte Ministerin mit viel Sachverstand das BMEL übernommen, und sein Kollege Michael Stübgen sei ein Experte für die europäischen Fragen.

Er persönlich sei für die Bereiche Haushalt, Personal, die Absatzmärkte, Ernährung und Lebensmittel bis hin zu Messen, internationale Strategien des Exports sowie Nutztiere zuständig. „Die CDU Baden-Württemberg hatte noch nie einen Vertreter in der Leitung des Bundeslandwirtschaftsministeriums“, hob Fuchtel hervor, und für den Nordschwarzwald sei die Präsenz sicher auch kein Fehler.

Hans-Joachim Fuchtel betonte, wie wichtig die Wiederbelebung der kleineren Ortschaften im ländlichen Raum sei. „Da muss mehr passieren, dass wieder Leben in die Dörfer kommt“, machte der Staatssekretär sehr zur Freude seiner Gastgeber deutlich.

Im Verlauf der angeregten Gesprächsrunde, bei dem die beiden Obmänner ihrem Gast herzlich zur Berufung gratulierten, kamen Fragen wie das Tierwohl und entsprechende Vermarktungslabels ebenso zur Sprache wie die Milchpolitik, der Natur- und Artenschutz und die Düngeverordnung.

„Ich bin gegen zu viel Bürokratie“, machte Fassnacht deutlich, „bei der regionalen Vermarktung schaden aus meiner Sicht zu viele Labels.“ Es könne nicht sein, dass Supermärkte und Discounter dadurch den gleichen Stellenwert bekämen wie der örtliche Einzelhändler oder Metzger. Fuchtel betonte, dass im BMEL sehr sorgfältig an einer Lösung gearbeitet werde.

„Der Tierhalter, der mit Gülle düngt, ist am nächsten am Naturschutz dran“, verwies Stefan Schäfer auf die für Landwirte teilweise problematische Umsetzung der Düngeverordnung, denn der Süden Deutschlands sei nicht mit dem Norden vergleichbar. Beim Glyphosat sollte Deutschland keinen Alleingang machen, aber statt eines Verbots lieber auf Ausnahmen bei der Ausbringung setzen, denn das „macht ackerbaulich Sinn“, fuhr Schäfer fort.

Die Insolvenz der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft bedrohe die Existenz vieler Lieferanten, machte Schäfer deutlich, der zugleich Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milchland Baden-Württemberg ist. „Auf der einen Seite bin ich froh, dass wir keine Milchquote mehr haben“, sagte Gerhard Fassnacht, der selber genossenschaftlich im Milchverkauf organisiert ist, „auf der anderen Seite halten wir die Turbulenzen auf den Märkten nicht mehr lange aus. Hinzu kommen die Wetterkapriolen, die keine gesicherten Erträge mehr kalkulieren lassen. Diese Risiken, die aus den volatilen Märkten und Naturereignissen entstehen, können von einem Familienbetrieb nicht mehr gestemmt werden. Daraus ergibt sich für mich als Praktiker die Notwendigkeit von verschiedenen Versicherungslösungen.“

Der Parlamentarische Staatssekretär sagte, wie wertvoll dieser Termin für ihn gewesen sei. Denn nur wer sich vor Ort Informationen hole, erfahre, was da wirklich gedacht werde. Er wolle solche Gesprächsrunden fortsetzen.

 

Fassnacht
Einer seiner ersten Besuche im Kreis Freudenstadt in seiner neuen Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft führte den Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel (Mitte) nach Altheim, wo seine Gesprächspartner Gerhard Fassnacht (links) und Stefan Schäfer waren. Foto: Klein-Wiele

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