23.10.2018

Abgeordneten als Gentleman erlebt

Praktikum: Syrischer Auszubildender sammelt Erfahrungen in Fuchtels Berliner Büro / Ryyan Alshebl: Tolle Gelegenheit

Althengstett (k-w). Ryyan Alshebl schmunzelt. „In dieser Woche habe ich eigentlich schon genug Sport gemacht“, sagt der 24jährige. Der junge Mann ist Auszubildender bei der Gemeinde Althengstett und hat ein Praktikum beim Deutschen Bundestag absolviert.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel hatte dem angehenden Verwaltungsfachangestellten die Chance gegeben, von seinem Abgeordnetenbüro in Berlin den Alltag eines Parlamentariers aus nächster Nähe zu erleben. Treppauf, treppab – oft legte er lange Fußmärsche zurück und machte auch einen Abstecher zum Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Dort hat ihn der Parlamentarische Staatssekretär sogar zu Terminen mitgenommen. „Ich habe Herrn Fuchtel als netten Gentleman erlebt“, verrät Ryyan Alshebl, „und ihn sogar zur Verleihung eines Tierschutzpreises begleiten dürfen.“

Seine Arbeit als Praktikant hat ihm großen Spaß gemacht, auch wenn die Zeit gar nicht ausreichte, um alles kennenzulernen. „Es ist so fantastisch“, fasst Ryyan Alshebl seine Eindrücke zusammen, „den deutschen Staat auf oberster Verwaltungsebene zu erleben.“ Dabei zog der Auszubildende natürlich auch Vergleiche zu seinem Heimatland. Denn der 24jährige ist vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland geflohen.

Er habe keine Perspektive mehr gesehen, sich nach dem Abitur dort noch weiterzuentwickeln. „Es herrschen schlimme Zustände.“ Deshalb habe er den Entschluss gefasst, dem älteren Bruder, der in Karlsruhe studiert, ins sichere Deutschland zu folgen, um sich eine neue Existenz fern dem Elternhaus aufzubauen.

Das ist jetzt drei Jahre her. Da er sehr schnell die deutsche Sprache lernte, konnte er zunächst als Dolmetscher aushelfen. Dabei lernte er Althengstetts Bürgermeister Dr. Clemens Götz kennen. Der gab ihm die Gelegenheit, eine Ausbildung bei der Gemeindeverwaltung zu absolvieren. „Ich wurde von allen Kolleginnen und Kollegen sehr gut aufgenommen“, freut sich der junge Mann über diese Möglichkeit. Auch sei es keinesfalls selbstverständlich, dass ihm sein Arbeitgeber das Praktikum im Abgeordnetenbüro ermöglichte.

Und wenngleich ihm die Trennung von zuhause und dem jüngsten Bruder schwergefallen ist: „Wer in einer kleineren Gemeinde wie Althengstett wohnt und arbeitet, der hat eine echte Chance, Freunde zu finden und in dieser Gesellschaft anzukommen.“ Denn für sich persönlich sieht er auf absehbare Zeit keine Möglichkeit, in das zerstörte Syrien zurückzukehren.

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Ein Selfie zur Erinnerung an sein Praktikum in Berlin schoss Ryyan Alshebl kurzerhand, als er mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel vor dem Reichstagsgebäude unterwegs war. (Foto: Ryyan Alshebl)

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