11.01.2019

Bücherwürmer hängen an seinen Lippen

Lesestunde: Hans-Joachim Fuchtel begeistert kleine Zuhörer in Ebhausen / Abgeordneter selber Freund von Biografien

Das Eis war schnell gebrochen, als der Parlamentarische Staatssekretär erzählte, dass er selber schon Enkelkinder habe und gerade eben aus Berlin angereist sei. „Mein Onkel wohnt da auch“, rief dem Bundestagsabgeordneten einer seiner Zuhörer zu, „da war ich auch schon!“ Als der Politiker dann aber das Kinderbuch „Es klopft bei Wanja in der Nacht“ aufschlug, da wurde es ganz still im Raum. Matthias Fröhlich, Schulleiter der Lindenrain-Schule, unterstützte den prominenten Vorleser, in dem er jeweils die passenden Illustrationen zu der mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis ausgezeichneten Geschichte präsentierte.

Das Buch von Tilde Michels und Reinhard Michl aus dem Jahr 1985 ist heute aktueller denn je, zeigt es doch, dass Not ein friedliches Zusammenleben möglich macht – zumindest für eine bitterkalte Nacht. Nacheinander begehren bei Schneesturm Hase, Fuchs und Bär Einlass in Wanjas Haus, um sich wenigstens für ein paar Stunden Wärme und Schlaf in dessen warmer Stube zu gönnen. Dabei schwören alle drei, sich nichts zuleide zu tun. Doch am anderen Morgen verschwinden alle heimlich wieder, weil die Angst vor dem Feind dann doch zu groß ist.

Die Erst- bis Viertklässler hörten Hans-Joachim Fuchtel gebannt zu. Denn er verstand es, durch Betonungen und Pausen, die Spannung mit jedem Wort zu steigern. „Es ist toll, dass sich ein Mitglied der Bundesregierung die Zeit für seine kleinsten Mitbürger nimmt“, zeigten sich auch der Schulleiter, Bürgermeister Volker Schuler und das Organisationsteam beim anschließenden Kinderpunsch begeistert. Viel zu schnell, so schien es, war diese außergewöhnliche Vorlesestunde schon wieder zu Ende.

Seit Start des Leseclubs Ebhausen nimmt die Zahl seiner kleinen Fans, die sich seit Oktober jede Woche treffen, stetig zu. Dass das Lesen in dieser Form gefördert werden kann, dafür sorgt neben den hauptamtlichen und den freiwilligen Organisatoren auch die Stiftung Lesen, die vor 30 Jahren zur Förderung von Lesefreude und Lesekompetenz gegründet worden ist. Sie unterstützt den Leseclub Ebhausen bis 2023 lang mit jährlich 5000 Euro.

Fuchtel selbst bekannte, dass auch er sehr gerne lese, wenn ihm dazu bei seinem straffen Terminkalender die Zeit bleibe. Ihm haben es vor allem Biografien von bekannten Bürgern angetan, in denen sich das wahre Leben widerspiegele: „Da bekommt man mit, wie vielseitig ein solches Menschenleben oft sein kann.“

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Spannend erzählte Hans-Joachim Fuchtel beim Leseclub in Ebhausen die Geschichte von Wanja und seinen drei nächtlichen Gästen. (Foto: Klein-Wiele)

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