12.02.2019

Müller Gruppe offen für Tierwohl-Initiative

Grundsatzgespräch: Geschäftsleitung begrüßt neues Label / Staatssekretär Fuchtel: Wichtiges Zeichen für die Branche / Japan als künftiger Markt

 „Wir halten den Vorschlag des Ministeriums für richtig“, betonten die geschäftsführenden Gesellschafter, die an ihren Standorten in Baden-Württemberg und Bayern bis zum Jahr 2022 insgesamt rund 58 Millionen Euro investieren wollen. Darunter auch Ausgaben, die für das Tierwohl relevant sind, zum Beispiel Umbauten für die Tierentladung und die Betäubung der Tiere. Außerdem wird in ein neues Energiekonzept investiert.

Bei dem über dreistündigen Grundsatzgespräch, das auf Vermittlung des Pforzheimer Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum zustande gekommen war, nahmen auch Krichbaum selbst, der Ulmer Geschäftsführer Stephan Lange und Andreas Schweiger als Mitglied der Geschäftsleitung teil. Auf der Tagesordnung standen ebenfalls Alternativen zur Ferkelkastration und neue Vertriebswege. „Es ist ein gutes Zeichen, dass es am Markt wichtige Akteure gibt, die mitziehen“, betonte der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel aus dem Nordschwarzwald, der in der Zentrale von Süddeutschlands größtem Schlacht- und Zerlegeunternehmen um Unterstützung für die Umsetzung der politischen Ziele bat, die im Koalitionsvertrag stünden. Denn „so werden weitere Produzenten folgen.“

Bei einem Jahresumsatz von 960 Millionen Euro zählt die Müller Gruppe mit weiteren Standorten in Ulm und Bayreuth zu den vier größten Schlachtunternehmen in Deutschland. Pro Jahr werden rund 360.000 Tonnen Fleisch von den rund 680 eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verarbeitet.

Die Müller Gruppe habe sich freilich schon in der Vergangenheit für das Tierwohl engagiert, machten die Geschäftsführer deutlich, seit zwei Jahren setze das Familienunternehmen mit dem „Tiergesundheitsbonus Schwein“ neue Akzente in Richtung Förderung der Tiergesundheit. Da die Müller Gruppe in Qualitätsprogrammen wie zum Beispiel „Süddeutsches Schweinefleisch“ oder „Heimatrind“ ausschließlich Tiere aus Baden-Württemberg und Bayern vermarktet, würden überlange Transportwege schon gar nicht anfallen. Außerdem werde die Wartestallung und Betäubung, nach wissenschaftlicher Begleitung neu aufgebaut, um das derzeit schon hohe Tierschutzniveau noch weiter mit der Zielsetzung zu verbessern, eine stressfreie Schlachtung der Tiere zu garantieren.

„An gesunden Tieren ist uns sehr gelegen, denn nur so können wir hochwertiges Fleisch verarbeiten“, betonte Stefan Müller, der wie sein Bruder Martin Müller „absolut keine Angst vor Videokameras in Produktion, Stall und bei der Betäubung“ hat. Offen zeigte sich die Geschäftsleitung für die Immunokastration zur Verhinderung der Bildung von Geschlechtshormonen, die Ferkelkastration mit dem Narkosemittel Isofluran und die Vermarktung von Fleisch vom Jungeber.

Das BMEL baue bei der Umsetzung der Tierwohl-Initiative auf Freiwilligkeit, so Staatssekretär Fuchtel. Umso erfreulicher sei, dass sich Unternehmen wie Müller Fleisch aufgeschlossen für die schon im Koalitionsvertrag verankerte Verbesserung des Tierwohls zeige.

Mit 80 Millionen Euro Umsatz ist Italien der größte Auslandsmarkt der Gruppe. Eine Tochterfirma gibt es im griechischen Athen. Neben China möchte sich die Müller Gruppe auch auf dem japanischen Markt etablieren. Erste Kontakte konnten bei einer Wirtschaftsdelegation, geführt von dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, in Fernost geknüpft werden. Mit 69 Prozent sei Deutschland allerdings der wichtigste Absatzmarkt für das Familienunternehmen.

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Einsatz für das Tierwohl: der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Stephan Lange, Geschäftsführer Stefan Müller und Andreas Schweiger am Grill. (Foto: Klein-Wiele)

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