05.04.2019

Die Welt ist keine Generalprobe

Schulbesuch: Hans-Joachim Fuchtel muss an Fünf-Täler-Schule viele Fragen beantworten / Politiker erkundigt sich nach Zielen der jungen Leute

Bad Wildbach-Calmbach: Da wollten es die Mädchen und Jungen von der Fünf-Täler-Schule aber genau von Hans-Joachim Fuchtel wissen: War Politiker schon immer ihr Traumjob? Ein Traumjob sicher nicht, gibt der Bundestagsabgeordnete in Calmbach unumwunden zu, schließlich werde man zum Politiker ja nicht geboren.

„Aber ich wollte Veränderungen“, legt der Parlamentarische Staatssekretär nach, und schon gar keine Radikalen in der Politik, die schon viel zu viel Unheil in der deutschen Geschichte angerichtet hätten. Als Politiker könne er zumindest die Gesetzgebung mit beeinflussen; wenngleich Politik auch stets eine Frage der Kompromissbereitschaft sei.

Am EU-Projekttag der Bundesregierung sitzen dem Mitglied der Bundesregierung Haupt- und Realschüler gegenüber, um ihm zwei Stunden lang Fragen zu seiner Arbeit in Berlin, in seinem Wahlkreis Calw/Freudenstadt und auch zu Europa zu stellen. Fuchtel bleibt keine Antwort schuldig und erklärt auch geduldig, warum der Brexit nicht nur den Briten, sondern ganz Europa schadet.  

„Europa ist mit seinen 500 Millionen Bürgerinnen und Bürger viel stärker als die einzelnen Mitgliedsstaaten, um sich zum Beispiel auch gegen einen Donald Trump zu behaupten“, argumentiert der CDU-Politiker, der sich noch daran erinnert, wie das Leben mit Grenzkontrollen und ohne gemeinsame Währung war. Europa stehe für Freizügigkeit und Freiheit. „Die Briten werden ihren Austritt sicher noch bereuen, wenn es dazu kommt“, ist Fuchtel überzeugt, „aber uns fehlt natürlich jedes Pfund in der europäischen Haushaltskasse.“ Das sei bitter, denn schießlich „wollen wir in Europa gerade auch euren Wohlstand sichern.“

Wenn seine politische Karriere schon als Schülersprecher begonnen habe, so zeige er doch sicher Verständnis für die Freitagsproteste der Schüler zum Klimaschutz, legte ein jugendlicher Fragesteller nach. Demonstrieren ja, sagte Fuchtel, aber die Schule dürfe nicht darunter leiden. Es gebe genug Möglichkeiten zum Protest, da müsse nicht permanent Unterricht dafür ausfallen. Schließlich investierten Bund und Land viel Geld in die Bildung.

Die Schüler der Abschlussklassen erfahren an diesem Morgen ebenfalls, warum ein Staatsmann alles in dreifacher Ausführung benötigt, denn schließlich lebt Hans-Joachim Fuchtel quasi in zwei Haushalten und in seinem Dienstwagen. Also braucht er selbst drei Rasierapparate und vieles andere mehr. Und auch das ist einem Politikerdasein geschuldet: „Man muss sehr flexibel, frühmorgens um halb sechs schon auf den Beinen sein und fällt oft erst spätabends ins Bett.“ Wo das ist, hängt in der Regel von der Terminlage ab: Altensteig, Berlin oder in irgendeinem Hotelzimmer. Hat er da überhaupt noch Zeit für ein Privatleben? „Viel zu wenig“, gibt Fuchtel, der gerne Biografien liest, zu.

Wie er denn mit der Kanzlerin und Annegret Kramp-Karrenbauer zurechtkomme, wollen die Schüler von ihm noch wissen. „Zwei sehr kluge Frauen“, antwortet der Parlamentarier, der an der neuen CDU-Chefin vor allem eines schätzt: „Sie kann zuhören, und das ist gerade für unsere Zukunft sehr wichtig.“

Schließlich spricht der Bundestagsabgeordnete mit den jungen Leuten auch noch über deren Zukunft, fragt nach ihren Berufswünschen und persönlichen Zielen, um ihnen zum Abschluss noch einen Rat mit auf den Nachhauseweg zu geben: „Diese Welt ist keine Generalprobe! Drum macht das Beste aus eurem Leben.“ 

fueuropa 

Hans-Joachim Fuchtel im Gespräch mit Jugendlichen an der Fünf-Täler-Schule in Calmbach.

 

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