10.04.2019

Sympathiepunkte für klare Haltung

Schulbesuch: Hans-Joachim Fuchtel steht Gymnasiasten Rede und Antwort / Schüler moderieren Fragerunde mit dem Staatssekretär

Freudenstadt: Soll noch einer sagen, die Jugend würde sich politisch nicht interessieren. Der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel jedenfalls erlebte in der Freudenstädter Eduard-Spranger-Schule eine lebhafte Diskussionsrunde, auf die sich die Wirtschaftsgymnasiasten nicht nur gezielt vorbereitet hatten, sondern die sogar von Schülern moderiert wurde. 

Ein Mitglied der Bundesregierung, begrüßte Schulleiter Armin Wüstner den Parlamentarischen Staatssekretär, stehe schließlich nicht alle Tage zur Verfügung, um sich über aktuelle Themen auszutauschen. Auch er sei stolz darauf, dass die Schülerinnen und Schüler den Besuch des Politikers so engagiert begleiten. Klar wurde das sofort, als Cedric Heinemann, der mit Sandra Thiele moderierte, den Werdegang des CDU-Abgeordneten skizzierte.

Fuchtel sah sich durchaus auch mit kritischen Fragen zur Politik im Allgemeinen und seinen Aufgaben im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) konfrontiert. Keiner einzigen wich er aus. Auch dann nicht, als die jungen Leute auf die Schülerstreiks „Fridays For Future“ zu sprechen kamen. Demonstrieren ja, sagte Fuchtel, aber die Schule dürfe nicht darunter leiden. Es gebe genug Möglichkeiten zum Protest, dafür müsse nicht permanent Unterricht ausfallen. Schließlich investierten Bund und Land viel Geld in die Bildung. Kein Verständnis hat der Staatssekretär für die Legalisierung von Drogen: „Damit habe ich nichts am Hut!“

Gerade seine klare Haltung brachte dem Politiker offenbar Sympathiepunkte bei den jungen Fragestellern ein. Als Nina Kober, Leonie Kilgus, Chiara Schmidt, Sandra Thiele und Constantin Lutz sich im Anschluss noch mit Fachlehrerin Birgitt Michalek zu einer Auswertung der Diskussionsrunde trafen, gab es für Hans-Joachim Fuchtel, der schon längst wieder Richtung Berlin unterwegs war, Bestnoten. „Wir fanden’s gut, dass er auch zu unpopulären Themen seine eigene Meinung vertrat“, lautete der einhellige Kommentar, „und dass er ehrlich zugegeben hat, wenn er etwas nicht wusste.“ Überhaupt sei der Staatssekretär intensiv auf die Oberstufenschüler eingegangen, „von Fachchinesisch keine Spur!“

Fuchtel war es auch, der die Gymnasiasten in seine Sprechstunden einlud, sollten sie weiteren Fragen auf dem Herzen haben, und der das Angebot machte, über ein Praktikum im Abgeordnetenbüro den Politikalltag live zu erleben. Der bestehe nämlich größtenteils aus Kompromissen, weil der Koalitionspartner auch Vorstellungen einbringe. Zudem sei die CDU als solches eine Volkspartei, die im Vorfeld der parlamentarischen Debatte schon verschiedene Meinungen zusammenführe.  

Das treffe zum Beispiel auf die Flüchtlingspolitik zu („Wer keinen Fluchtgrund hat, muss in seine Heimat zurück“) oder eben auch auf den Klimaschutz. „Wir können die Erderwärmung nicht den armen Ländern allein überlassen, da sind wir in der Pflicht“, so der Politiker. Zudem sei die ganze Welt davon betroffen. Jedoch lasse sich das Blatt nicht von heute auf morgen wenden, sagte er mit Blick auf 120.000 Fahrzeugzulassungen allein im Landkreis Freudenstadt.

Der Brexit werde einigen die Augen öffnen, ist sich Fuchtel sicher, der sich anlässlich des EU-Projekttages der Bundesregierung klar zu Europa bekannte. Er innere sich noch gut an die Zeit ohne Euro, dafür mit Grenzbalken. Ohne Europa wäre die Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt futsch. Für die Jugend aber sei wichtig: „Mit Europa sind wir 500 Millionen Menschen, die etwas zu sagen haben, ohne Europa wären wir ein Prozent Deutsche auf dieser Welt!“

Die CDU halte nichts von Upload-Filtern, ging Fuchtel auf den Datenschutz im Internet ein, aber wer geistiges Eigentum von Künstlern und Autoren nutze, müsse dafür bezahlen.

Schließlich wandte sich Fuchtel direkt an die jungen Leute: „Dieser Staat gibt Chancen, die man nutzen sollte. Aber er braucht auch Mitmacher, die nicht nur an sich denken.“

 

fuspranger 

 

Hans-Joachim Fuchtel im Gespräch mit Wirtschaftsgymnasiasten der Eduard-Spranger-Schule in Freudenstadt sowie den Moderatoren der Diskussionsrunde Cedric Heinemann und Sandra Thiele.

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