30.04.2019

75.000 Tonnen Mehl von Rettenmeier

Wirtschaft: Staatssekretär Fuchtel in Horber Mühle / Markus Rettenmeier: Deutsche Lebensmittel mit hoher Qualität / Bauern besseres Image verdient

Horb (k-w). Deutsche Produkte sind gut. Das gilt vor allem für Nahrungsmittel, sagt Markus Rettenmeier, Geschäftsführer der Rettenmeier Mühle in Horb. Trotzdem werde hierzulande immer wieder viel Kritik geübt. Ihm gegenüber sitzt der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, der solche Probleme kennt. 

Natürlich nehme man die Verbraucher ernst, sind sie sich einig, aber beide vermissen allzu oft „den fairen Umgang miteinander“. Auch im Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), sagt der CDU-Politiker, beobachte man mit Sorge, wie durch manche Organisationen mit Agitation Stimmung gegen die Landwirtschaft gemacht werde. Dabei bräuchten sich die deutschen Bauern alles andere als zu verstecken. Ein wichtiger Hinweis sei die Nachfrage im Ausland: 33 Prozent ihrer Waren gehen in den Export, erläutert Hans-Joachim Fuchtel, der von CDU-Mitgliedern aus dem Kreis Freudenstadt begleitet wird. Ein Umsatzvolumen von 73 Milliarden Euro pro Jahr durch Auslandsgeschäfte könne nur mit Qualität gelingen. Dessen sei man sich in der Öffentlichkeit viel zu wenig bewusst.  Zur Ergänzung fügte Fuchtel hinzu, dass gleichzeitig auch rund 80 Milliarden an Importprodukten nach Deutschland kommen, so dass die Gesamtbilanz ziemlich ausgeglichen sei.

Es sei an der Zeit, sich gegen „falsche Behauptungen“ zu wehren und den bäuerlichen Betrieben ihren Stellenwert in der Gesellschaft zurückzugeben. „Wir brauchen mehr Leute, die zur Landwirtschaft stehen“, sagte der Bundestagsabgeordnete.

„Die Bauern sind oft die Buhmänner“, weiß Markus Rettenmeier aus Erfahrung. „Deshalb betrachten wir es auch als unsere Aufgabe, dabei mitzuhelfen, dass sich das Blatt wieder wendet.“ Letztendlich müsse den Verbrauchern klarer vor Augen geführt werden, „dass wir in vielen Produkten weltweit führend sind.“

Die Rettenmeier Mühle ist ein gutes Beispiel dafür. Deren Produkte sind sogar in Südeuropa gefragt. In erster Linie werden allerdings handwerkliche Bäcker, Großbäckereien und industrielle Hersteller von Lebens- und Futtermitteln in Süddeutschland und im Elsass beliefert, erfuhren die Gäste beim zweistündigen Rundgang. Die Produktion läuft mit wenigen Ausnahmen sieben Tage die Woche 24 Stunden. Aktuell werden jährlich 90.000 Tonnen Getreide vermahlen. Das ergibt rund 75.000 Tonnen Mehl. Außerdem entstehen daraus rund 15.000 Tonnen Nachprodukte, zum Beispiel Kleie. Für die Auslieferung sind Spezialfahrzeuge im Einsatz. Aktuell stehen der Bau einer neuen Getreidesiloanlage und zusätzlicher Mehlsilos an.

Bei Rettenmeier werden Interessenskonflikte wie zum Beispiel bei der Düngeverordnung, eng mit den Landwirten kommuniziert, erläutert der Unternehmer. „Schließlich ist es unser Ziel, die Qualitätsprinzipien in der kompletten Lebensmittelkette abzudecken sowie unsere Lieferanten und Kunden ganzheitlich zu beraten.“ Das fange beim Anbau an und erstrecke sich über den gesamten Produktionsprozess bis zur Ablieferung des Getreides. Aber auch in der Mühle werde die Qualität durch automatisierte Prozessketten gewährleistet.

„Heute reicht es eben nicht mehr, einen guten Job zu machen“, betonte Markus Rettenmeier, weshalb die Bäckereien mit der Auslieferung der Mehlsorten detaillierte Informationen zu Nährgehalt, Hygiene, Geschmack, Umwelt und viele anderen Faktoren erhalten. Schlussendlich entscheide der Verbraucher, nach welchen Ernährungstrends er einkaufe. Gerade deshalb sei Aufklärung so wichtig. Eines müsse ebenso deutlich gesagt werden: „Mehl ist ein Naturprodukt, da sind Schwankungen möglich.“

Die Reduzierung von Fett, Zucker und Salz in Lebensmitteln und Getränken hat sich das BMEL zum Ziel gesetzt, erläuterte Hans-Joachim Fuchtel im Rahmen der ausführlichen Diskussion.

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Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (Vierter von rechts), Markus Rettenmeier (Vierter von links) und Felix Holocher beim Rundgang mit Mitgliedern der Kreis-CDU. (Foto: Klein-Wiele)

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