21.05.2019

Ländlicher Raum muss bunter werden

Kunst und Politik: Staatssekretär Fuchtel lud zum Polittalk in Hermann Unsölds Atelier ein / Auch Europa Thema

Altensteig (k-w). „Mehr Farbe in den ländlichen Raum bringen!“ Dieser Forderung des Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel entspricht in Altensteig zumindest einer: Deshalb war die Kunsthalle von Hermann Unsöld der ideale Ort, um zwei Welten miteinander ins Gespräch zu bringen.

Die eine ist die des Galeristen, dem der Parlamentarische Staatssekretär Mut und das richtige Gespür für seine Kulturförderung bescheinigte. Und die zweite ist die der Politik, die sich nicht nur im Kommunalen abspielt, sondern vor allem auch in Berlin, wo mit Monika Grütters im Auftrag der Bundesregierung eine Kulturpolitikerin unterwegs ist. Die Professorin setzt sich dafür ein, dass sich kulturelle Aktivitäten mit Hilfe des Bundes weiterentwickeln können.

Doch nicht nur die Ballungsräume, sondern auch die ländliche Kulturvielfalt soll davon profitieren, sagt Fuchtel. „Wir müssen mit der Kultur mehr in die Gemeinden raus, wenn wir den ländlichen Raum stärker in den Mittelpunkt rücken wollen“, resümiert der Unionspolitiker, „denn nur so machen wir ihn für junge Menschen attraktiver.“ Freilich gehöre dazu mehr als die Sanierung von historischen Baudenkmälern. Zur Vielfalt zählen seiner Meinung nach zum Beispiel auch die Vereinsgemeinschaften, die Jugend- und damit die Bauwagenkultur sowie die Aufwertung von Streuobstwiesen. Da würde ein Kulturforum mit Monika Grütters guttun, um ihr die nötige Inspiration mit auf den Weg zu geben.

Freilich kam beim Polittalk in der Kunsthalle auch die große Politik nicht zu kurz, was in der Frage gipfelte: Was wären die europäischen Länder ohne ihren Staatenbund? Wenn Jean-Claude Juncker als Präsident der EU-Kommission 550 Millionen Europäer vertrete, habe das ein anderes Gewicht in der Welt, als wenn jeder einzelne Regierungschef spreche. „Dass allein zeigt uns schon, wie wichtig Europa für uns ist“, betonte Fuchtel, „und genau deshalb müssen wir Stärke zeigen.“ Er erinnere sich noch gut an lange Grenzkontrollen und den Währungstausch an jeder Grenze.

Doch das Werben für den Staatenbund sei längst nicht zu Ende: Europa müsse an den Wurzeln zusammengeführt werden. „Es gibt perspektivisch nach wie vor viel zu tun“, so Fuchtel, „Klimapolitik, Artenschutz und Verbraucherpolitik seien nicht im Alleingang zu meistern.“ Auf den Weltmärkten „müssen wir uns ganz warm anziehen, um uns zu behaupten.“

Politik für den ländlichen Raum bedeute, sich der eigenen Schwächen, wie etwa bei der Mobilität, bewusst zu werden. Doch vieles, was der ländliche Raum zu bieten habe, werde nicht richtig wahrgenommen. „Wir müssen unsere Lebensqualität unterstreichen“, betonte Fuchtel.

Der Gemeinderat habe schon vieles angestoßen, argumentierte Tobias Schmid. So habe er sich in Altensteig Gedanken gemacht, wie die innerörtliche Sanierung vorankomme. Schließlich stünden Flächen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Das helfe nicht nur dem Tourismus, sondern auch dem Werben um Ärzte und Lehrer, ohne die der ländliche Raum ausblute.

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Kunst und Politik im Gespräch: Das Atelier von Hermann Unsöld (Bildmitte) war idealer Ort für Diskussionen um die Zukunft des ländlichen Raums, befand der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (rechts). (Foto: Klein-Wiele)

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