26.06.2019

Tüftler suchen nach besserer Lösung

Landwirtschaft: Rainer und Martin Ungericht präsentieren Staatssekretär Fuchtel Alternative / Bauern sorgen sich um Milchvieh

Calw / Simmersfeld (k-w). Dass in Kreisen der Landwirtschaft im Kreis Calw auch Tüftler am Werk sind, erfuhr der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel bei der Vorstellung einer möglichen Neuentwicklung zur Ausbringung von Gülle in Simmersfeld-Beuren. Rainer und Martin Ungericht von der gleichnamigen Rotfeldener Landmaschinenwerkstatt haben ihre Pläne dazu zu einem Vor-Ort-Termin gleich mitgebracht und am Objekt vorgestellt.

Es geht um die von der Europäischen Union (EU) ab 2020 geforderte streifenförmige Verteilung der Gülle in Bodennähe, um Ammoniak auf den Feldern und die Geruchsbelästigung zu reduzieren. Was sich zunächst plausibel anhört und für reine Ackerflächen kein Problem darstellt, könnte sich allerdings auf Grünland problematisch für die Gesundheit der Milchtierherden auswirken, befürchten Kreisobmann Friedrich Großhans und Jochen Waidelich vom Maschinenring Böblingen-Calw übereinstimmend.

Denn mit der Verteilung über sogenannte Schleppschläuche oder Schleppschuhe werde die Gülle zwar vorschriftsmäßig und dicht ausgebracht. Allerdings sei nicht ausgeschlossen, dass dadurch die Feststoffe gehäuft auf dem Grünland liegen bleiben. Bei der jetzt vorgesehenen Lösung könnten deshalb Rückstände der Gülle und damit schädliche Pilze durch das Pflanzenwachstum ins Ackerfutter der Wiederkäuer gelangen und die Tiergesundheit beeinträchtigen. Die Folge könnten Verdauungsstörungen durch Kolikeime sein, was wiederum mit erhöhtem Antibiotika-Einsatz behandelt werden müsste.

„Aus dieser Sorge heraus haben wir experimentiert, ob es nicht alternative Techniken geben könnte, die das Problem erfolgreicher lösen“, begründeten die Gebrüder Ungericht ihre Initiative. Sie haben sich, nachdem ihnen die Landwirte ihre Sorgen mitgeteilt hatten, an eine Neuentwicklung gewagt. Mit ihrem Zusatzgerät könnte die Gülle bodennah verteilt werden. Über zwei Wurfscheiben würde sie allerdings breitflächiger verteilt, sodass sie schneller im Boden versickern und keine Anhäufungen hinterlassen würde, was bei der streifenförmigen Ausbringung nicht gesichert sei.

Allerdings bräuchten die Maschinenbauer, um ihre Erfindung weiterverfolgen zu können, hierfür einer Genehmigung. Deshalb haben sie sich gemeinsam mit den Landwirten an den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gewandt, um diesem die Problematik anschaulich bei einem Geräteeinsatz in Beuren vor Augen zu führen.

Fuchtel begrüßte, dass man sich in der Praxis so eingehend Gedanken mache und Initiative ergreife. Er werde die Vorschläge unter Einbeziehung des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums prüfen lassen.

27.06.2019: fuguelle.jpg

Herkömmlicher Schleppschuh-Verteiler in Beuren im Test (von links): Joshua Theurer, Jochen Waidelich, Friedrich und Benedikt Großhans, der Parlamentarische Staatssekretär aus dem Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Hans-Joachim Fuchtel sowie Rainer und Martin Ungericht. (Foto: Klein-Wiele)

[Druckversion]